19.12.2019

Briefe



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ID: 18593 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 26.09.1884
 

26. 9. 84. Liseley.

Liebe gütige Gönnerin Wohlthäterin und Freundin,

Ihr liebes Briefchen mit der Verkündigung Ihrer schenkseligen Absichten für unser Haus hat uns so gerührt u. innig danke ich Ihnen für den liebreichen Einfall im allgemeinen u. im besondren. Ich meine das „stiften“ von etwas überhaupt, u. dann die sinnige Wahl u. das freundliche Ausstudieren grade Dessen was uns am meisten noth that! Wie ich erst las, daß Sie uns einen Hausrath schickten dachte ich es müsse ein Fußbankl sein! u. fühlte mich schon sehr beschämt – aber wie viel schöner u. nobler dachten Sie u. wie stolz wird uns Ihre liebe Stiftung machen. Von allen Andenken ist eins das leuchtet das allerschönste, immer sich erneuernde, immer sanft u. warm „mahnende“ (wenn das nöthig wäre u. ich wüßte auch nichts was ich lieber mit der Geberin vergleiche als Licht u. Wärme[)]. Wir hoffen sehr daß die Lampe heut od. morgen eintrifft u. wir sie noch rasch angucken können; wenn nicht, so haben wir nächstes Jahr beim auspacken u. aufhängen doppelte Freude. Heinrich bittet zu entschuldigen, wenn er nicht schreibt, er hat so viel zu ordnen u. zu bestimmen vor der Abreise, daß er nicht dazu kommt. Eisenach haben wir aufgegeben da es sich für uns zu schwer eintheilen ließ – wir hätten in Lichtenfels Nachts 7 Stunden auf dem Bahnhof liegen müssen u. wären wahrscheinlich abgerackert u. stimmungslos angekommen, u. Stimmung gehört zu allem vor allem, nicht wahr? Auch zum Mozarteum das Euch wie ich durch Schwester Bargiel erfuhr enttäuschte u. gewiß uns, weil das Ingredienz nicht so reichlich vorhanden war als nöthig um zu genießen. Ihr Telegramm erleichterte uns den Entschluß; in Ihrer Nähe zu sitzen, u. wenn einem das Herz bei einer recht schönen Stelle besonders aufging einen Blick von Ihnen zu erhaschen war das, worauf ich mich am meisten spitzte – aber leid thuts mir daß wir nun alle nicht dabei sind wenn man dem theuren Bach Ehre erweist. Wenn man neulich die Amoll Fuge von Ihnen gehört, so sagt man sich, daß wer das so spielt den möchte der alte Bach eben dabei haben wenn er gefeiert wird u. wir Armen fügen nur bescheiden hinzu daß „wer ihn liebt u. kennt“ auch dabei sein darf. – Schade, denn es kommt nicht wieder, wie so manches Andre. Wir fahren nun Sonntag fort, übernachten München, sind Dienst. in Hosterwitz. Darf ich mich dort wohl auf neue Briefe freuen? Ach wie herzig ist das Briefchen an Clara wo er die Stunde bestimmt um welche beide zugleich das Andante aus dem Chopinschen Conc. spielen u. was ist es überhaupt für ein lieber lieber Mensch. Darf ich das so sagen, liebe theure Frau u. darf ich Ihnen immer ungenirt sagen wie lieb Sie hat
Ihr Lisl?

Fußbankele hab’ ich mir inzwischen zugelegt! Grade zureichend für Mutter u. Töchter Schumann!

  Absender: Herzogenberg, Elisabeth von (691)
  Absendeort: Liseley
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 15
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit den Familien Voigt, Preußer, Herzogenberg und anderen Korrespondenten in Leipzig / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller, Ekaterina Smyka / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2016
ISBN: 978-3-86846-026-1
538ff.
 



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