19.12.2019

Briefe



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ID: 18597 Brieftext


Geschrieben am: Montag 08.12.1884
 

den 8. Dec 84.

Theure Frau Schumann,

Das war gestern ein harter Schlag, u. die ganze Freude an dem Gew.hausfest damit vorbei! Ich kann Ihnen nicht sagen wie katzenjämmerlich uns zu Muth ist, u. es käme mir schlecht vor, zu viel von uns u. unsrer Enttäuschung zu sprechen, da nur von Ihnen die Rede sein soll u. Sie ja so ganz anders darunter leiden als wir. Einmal durch die bösen wirklichen Schmerzen u. weil Sie sich doch auch auf das Fest hier gefreut hatten u. auf die Freude die Sie uns u. so Vielen mit uns zu bereiten gedachten. Ich kann mir’s noch gar nicht vorstellen daß Sie wirklich nicht kommen – ich hatte mir so viel liebe heimliche Plänchen gemacht u. mich so eingesponnen in den Gedanken Ihres Hierseins! Aber wie gesagt darüber soll man schweigen um Ihnen nicht durch Mitleid mit uns das gute Herz noch schwerer zu machen; Sie haben ja schon Kummer genug, denn ich denke mir das qualvoll, mit verhaltener Kraft u. verhaltener Musik still da zu sitzen! Bei Ihnen ist doch alles Spielen ein Schaffen, u. mit dem Amoll Concert fertig bewaffnet u. schön gerüstet nicht heraus treten zu können, alles in sich verschließen zu müssen, das muß förmlich ein Schmerz sein!
Was unternehmen Sie denn gegen dies Arm-leiden außer Schonung? Es ist doch wohl nur Ueberanstrengung – kein Rheumatismus dabei? Möchte es doch bald überwunden sein, u. wäre es am Tage des Concerts u. empfände man dann auch doppelt die Trauer daß Sie beinah doch spielen konnten, so wäre der Gedanke daß es vorüber doch ein Trost.
Ade Sie Liebe Gütige (daß Sie mir’s gleich schrieben hat mich wieder so gerührt) ich konnte gestern nicht wie ich wollte, drum nur rasch diese Zeilen jetzt wenigstens auf die Post.
Dank auch für Ihre erneute Aufforderung nach Frankf. zu kommen. Unsre Lust ist in stetem Wachsen also hoff u. denk’ ich, es muß werden. Jedenfalls ist der Gedanke unser bester Trost.
Es küssen Ihnen wehmüthig die Hände Ihre treuen
Herzogenbergs.

Eben kommt Ihr Wiesbaden Brief – wir schreiben noch heute darüber.

  Absender: Herzogenberg, Elisabeth von (691)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 15
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit den Familien Voigt, Preußer, Herzogenberg und anderen Korrespondenten in Leipzig / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller, Ekaterina Smyka / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2016
ISBN: 978-3-86846-026-1
562f.
 



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