19.12.2019

Briefe



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ID: 18603 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 18.02.1885
 

den 18. 2. 85.

Theures liebes Haus, Myliusstr. 32!

Ich kann gar nicht sagen, wie erschüttert ich bin über das was Dir widerfahren ist. Grade Dir, ruhigstes friedlichstes reinlichstes aller Häuser muß es geschehen, von ekelhaften niedrigen Kerlen betreten, durchschnüffelt u. beraubt zu werden u. dadurch Deiner lieben theuren Herrin, deren Freude u. Ruhestätte du warst, verleidet zu werden! Ach Ihr guten Menschen, ich bin wirklich außer mir dass etwas so Widerwärtiges u. Empörendes grade bei Euch geschehen muß. Arme liebe Frau Schumann, grade Ihnen! die Sie ohnedies schon Neigung haben, sich zu ängstigen u. deren Phantasie natürlich durch dieses gräuliche Erlebniß in neue Thätigkeit versetzt wird. Wenn es Ihnen nur nicht körperlich schadet! solch ein Schreck kann einem doch in alle Glieder fahren u. dazu das nicht zu überwindende Gefühl des Ekels über das ahnungslos Geschehene u. die widrige Vorstellung daß solche Kerle Ihre lieben schönen Räume entweiht und frech darin gehaust. Mein Gefühl war, gleich einzupacken und zu Ihnen zu fahren mit dem Heinrich – <>man bildet sich ein man könnte Sie vielleicht ein bischen zerstreuen oder beruhigen – vielleicht indem man Ihnen noch schauderhaftere Geschichten erzählt die hier passiren?! Frau Opperman wurden 400 M. (ihr ganzes Hab u. Gut) kürzlich vom eigenen Mädchen entwendet die dann, um den Verdacht von sich abzulenken sich an’s Klavierbein mit Stricken band, nachdem sie sich künstliche Wunden beigebracht hatte! Sie log dann eine höchst romantische Ueberfallsgeschichte. Das ist doch fast noch ekelhafter weil es alles Gefühl der Sicherheit auflöst. Sie haben Gottlob doch ehrliche Dienstboten u. werden hoffentlich bald über den entsetzlichen Eindruck hinwegkommen. Ich wünsche Ihnen nur daß die Thäter bald gefunden werden, es wird Ihnen ein gewisses Gefühl der Beruhigung gewähren sie unschädlich gemacht zu wissen. Aber das Silber möcht’ ich doch auch zurückkehren sehen, wenn man vom Verlust auch zuletzt spricht so ist er doch wahrhaftig in diesem Fall nicht gering anzuschlagen – ach u. das herzige Leipziger Silber<,>! die Flaschen zertrümmert – pfui es ist doch zu abscheulich. <>Wegen des bischen Silberwerths solche künstlerische Formen roh zerschlagen! Ich danke der guten Filu für ihre rasche Mittheilung u. bitte sie inständigst um baldige Fortsetzung; über Ihr Befinden vor allem ein Wort. Nicht wahr die entmenschten Gummischuhe haben Sie doch gleich weggeschmissen! Wir denken immerfort in Sorge u. Liebe Ihrer! wären <S>so gern bei Ihnen!
Ade! Es küßt Ihre theuren Hände
Ihr Lisl

  Absender: Herzogenberg, Elisabeth von (691)
  Absendeort: o. O.
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 15
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit den Familien Voigt, Preußer, Herzogenberg und anderen Korrespondenten in Leipzig / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller, Ekaterina Smyka / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2016
ISBN: 978-3-86846-026-1
573f.
 



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