19.12.2019

Briefe



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ID: 18615 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 13.09.1887
 

13. Sept. 87.

Liebe Theuerste,

<>Daß ich heut nicht zu Ihnen kann Ihre liebe Hand zu küssen das ist mir ein wahrer Kummer. Ich hatte mich so gefreut, an diesem Tag der uns ein so absonderlicher ist, Ihnen in’s Auge schauen zu dürfen. Aber ich sitze nun einmal im Pech u. liege zu Bett, unzeitgemäßer als je in meinem Leben! Aber ich hoffe diesmal empfiehlt sich der Catarrh rascher als sonst, da selbst ein manchmal unerbittlicher Himmel einsehen muß daß ich jetzt zum Kranksein keine Zeit habe. Wie schön haben Sie gestern Abend Ihren Geburtstag vorgefeiert, möchten Sie nur auch heute einer feierlich freudigen Stimmung noch den Nachklang in Ihrem Herzen gewähren u. nicht allein der grauen Sorge u. dem Kummer. Sie dürfen doch jetzt wieder Gutes hoffen für Ihren armen Ferdinand u. in der liebevollen Beschäftigung mit seinem Wohl, im Sorgen u. Denken für ihn liegt schon ein gewisser Trost. Kann man sich nur rühren, sich in Bewegung setzen für seine Lieben, so ist gleich alles leichter, nur müßiges Zuschaun wenn sie leiden ist unerträglich. Ich bin begierig zu hören, was Ferd. Ihnen schreibt, Mutter die die Freude hat, Sie heut zu sehen, wird mir erzählen. Nehmen Sie meine kleine Blumenschaale freundlich auf; daß ich nicht einmal selber die Blumen dazu aussuchen kann ist hart. Aengstigen Sie sich nicht wegen Transport der zerbrechlichen Schale, ich habe schon ausgemacht daß ich Sie Ihnen, von der Handlung wo sie her ist, nachher direct zusenden lasse; so wie ich wohl bin, hol’ ich sie bei Ihnen ab, es wär sonst unbescheiden Ihnen so was zu schenken. Die arme Eugenie die heut um Ihren Anblick betrogen wird dauert mich; an meiner Wehmuth daß, ich Sie nicht sehe, kann ich ermessen wie erst der Tochter dabei zu Muth sein muß. Liebe Frau Schumann, Sie sind bei allem Leide von dem Sie heimgesucht werden, doch eine gesegnete Frau – so werden wohl Wenige auf Erden geliebt wie Sie! möchte Ihnen das doch ein klein wenig Freude machen, daß Ihr bloses Dasein für so Viele Viele ein solches Glück bedeutet, eine der reinsten Freuden deren sie theilhaftig werden.
Adieu u. so Gott will auf baldges Wiedersehen!
In Treue Ihr Lisl.

  Absender: Herzogenberg, Elisabeth von (691)
  Absendeort: o. O.
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 15
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit den Familien Voigt, Preußer, Herzogenberg und anderen Korrespondenten in Leipzig / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller, Ekaterina Smyka / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2016
ISBN: 978-3-86846-026-1
657ff.
 



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