19.12.2019

Briefe



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ID: 18617 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 25.09.1887
 

25. Sept. 87.

So was Gutes wie Sie giebt’s doch weit u. breit nicht auf der Welt, meine liebe liebe Frau Schumann. Welche Freude war uns Ihre Sendung mit welchem Interesse schauen wir uns wieder u. wieder die Motive an u. sinnen im Innern wie sie wohl weiter gehen, viel mehr, mit wie viel lieblich reichen Ranken besonders in den Durchführungstheilen Brahms diese neuen Kinder seines Geistes umspielen mag. Wie begierig macht uns dieser Blick, den Sie uns in das Werk verschaffen, auf das schöne Ganze das Ihren Beifall hat, das Sie erwärmt u. erquickt hat u. dem man schon um deswegen gut ist, ehe man’s kennt weil Sie Getrübte Gequälte ihm Stunden der Befreiung u. Erhebung verdanken. Wie gönn’ ich Ihnen diese Erquickung, wie neidlos dacht’ ich an Ihre guten Tage in Baden-Baden, u. wie tief rührt es mich, daß Sie Liebe Einzige sich die Mühe gaben, in den bewegten Tagen uns Theil nehmen zu lassen, mir den lieben so schön beschwerten Brief zu schreiben! (das 2. Thema vom 1. gefällt mir ganz besonders.) Ich hoffe Sie haben meine Zeilen, meine etwas katzenjämmerlichen, erhalten, obwohl ich aus Dummheit deutsches Haus statt deutsch. Hof adressirte. Eugenie von der ich heute einen lieben Brief erhielt brachte mich erst auf meinen Irrthum. Wie freut sie sich auf Sie u. wie werden Sie glücklich sein, endlich mal wieder vereinigt zu sein. Wann wird denn Ihr Ferdinand sich bei Ihnen einfinden, der arme Dulder, u. was werden Sie wohl beschließen. Gehrath von Ziemssen kommt also am 12. Oct. wie mir Dr Reimann sagt. Ich freue mich, dass es so bald ist, ich war auf einen späteren Termin gefaßt u. spanne auf sein Erscheinen, da wir von ihm alle späteren Entscheidungen abhängig machen. Ich habe jetzt auch ein paar böse Tage; denken Sie, daß mir die energischen Kreuzwickel während meines Catarrhs einen heftigen Ausschlag über den ganzen Oberkörper eingebracht haben, der mich arg am Schlafen hindert u. auch am Tage <> durch gräuliches Jucken quält. Ich sitze ganz eingefatscht u. mit Salbe beschmiert gefangen da – eine neue kleine Noth zu der großen! Mein Heinrich ist übel dran, das Knie geschwollen an neuer Stelle u. mit dem Gehen ist es für’s Erste wieder vorbei, dabei die böse Kälte, bei der er nicht einmal unten im Fahrstuhl sitzen kann – ach! wie viel Geduld haben wir nöthig. Ich will mir so viel, so viel Mühe geben, nicht zu erlahmen, aber manchmal sinkt mir der Muth! Ich adressire schon nach Frankfurt da Sie schreiben Montag von oder Dienstag. Seid nur recht froh beisammen zu sein endlich wieder, Genchen laß ich gratuliren daß sie ihr theures Mütterchen u. die treue Marie wieder hat. Leben Sie wohl, Sie Geliebte Gütige u. lassen Sie sich innig innig danken für den gar so lieben Brief. Adieu Sie Liebe[.] Mutter u. Julia, die noch da sind grüßen Sie schönstens u. ich umarme Sie u. die Mädchen von ganzem Herzen.
Auch Fillu schönen Gruß bitte.
Treu Ihre alte Lisl

  Absender: Herzogenberg, Elisabeth von (691)
  Absendeort: o. O.
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 15
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit den Familien Voigt, Preußer, Herzogenberg und anderen Korrespondenten in Leipzig / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller, Ekaterina Smyka / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2016
ISBN: 978-3-86846-026-1
664ff.
 



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