19.12.2019

Briefe



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ID: 18632 Brieftext


Geschrieben am: Montag 04.01.1886
 

Berlin 4. 1. 86.

Meine liebe theure Frau Schumann,

Statt der Karte nehme ich doch lieber ein Blatt u. danke Ihnen für Ihre gütigen Zeilen die mir über Gmunden heute zukamen, daß ich doch hier blieb schrieb ich Ihnen ja inzwischen. Wir fahren nun morgen Dienstag nach Goettingen, übermorgen früh zum Begräbnis nach Lewenhagen – denken Sie recht an mich mit mütterlicher Liebe, die Gedanken guter u. großer Menschen haben stärkende Kraft. Ich habe viel gelitten in diesen Tagen; das fern sein vom Schauplatz dessen an das allein man denken kann, die Unthätigkeit, das nagende Gefühl von Schuld, daß man nicht im Vorgefühl so baldigen Scheidens noch viel mehr an Liebe u. Sorgfalt für den geliebten Vater ausgab, alles das hat mich bedrückt u. gequält u. mir ist als würde ich erst dort, wenn freilich die schwerste Stunde anbricht, wenn wir den lieben Theuren begraben, zu einer Art Ruhe kommen.
Denken Sie u. die Kinder u. Fillu an uns! Mittwoch 1/4 nach 10 ist die Beerdigung. Vor beinah 20 Jahren war ich mit dem lieben Vater dort u. streifte so froh mit ihm herum in seinen Wäldern.
So wandelt sich alles u. wir uns mit. Nur die Liebe ist stärker wie der Tod.
Treu Ihre traurige Lisl.

  Absender: Herzogenberg, Elisabeth von (691)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 15
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit den Familien Voigt, Preußer, Herzogenberg und anderen Korrespondenten in Leipzig / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller, Ekaterina Smyka / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2016
ISBN: 978-3-86846-026-1
618f.
 



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