19.12.2019

Briefe



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ID: 18634 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 19.09.1886
 

Königssee. den 19. Sept. 86.

Liebste Frau Schumann,

Ihre liebe zweite Karte vermehrt so sehr unser Verlangen ein Wiedersehen mit Ihnen möglich zu machen u. Sie den Hildebrand, das Genchen, die Büste, den Levi, u. am Ende doch auch den Don Juan zu sehen daß wir uns entschlossen haben so früh als möglich, d. h. am 27.ten von hier aufzubrechen. Ist es mit Ihren Plänen vereinbar daß Sie so lange bleiben so sind wir glückselig; bitte um eine rasche Karte die uns sagt was wir zu erwarten haben. Wir würden noch 1–2 Tage in München bleiben können, hoffentlich mit Ihnen liebe Gütige. Ich schreibe Levy die unbescheidene Bitte ob er, falls Sie bis dahin blieben den Don Juan verlegen könnte auf den 28ten! Aber nur unter der Voraussetzung daß es Ihnen in jeder Beziehung recht wäre. Mit Ihnen in der Musik zu schwelgen das stelle ich mir allerdings als eine Freude besondrer Art vor. Gestern war Heinrich auf der höchsten Watzmannspitze8 in einem Tage hin u. her u. von der blosen Beschreibung wurde uns schwindlig, er aber war selig u. hat so viel auf dieser höchsten reinlichsten Zelle an herrlicher Luft u. großartiger Schönheit in sich hinein geathmet daß er für lange Zeit damit auskommen zu können meint. Ich sehe mit großer Spannung Ihrer Antwort entgegen, Sie sehen ein daß wir noch früher nicht aufbrechen können da Princ. Mary, wie mir heute geschrieben wurde, Zwei Nächte hier bleiben will also am 25. Nachm. erst die Liseley verläßt, habe ich ohnedies nur den einen 26ten zum abwickeln aller „letzten Dinge“ hier. Und Sie wissen was das heißt, ein Haus, wenn’s auch ein kleines ist, auf 3/4 Jahr zuzusperren. Ich hoffe so sehr Sie dürfen oder sollen oder mögen bis zum 29. bleiben oder doch wenigstens bis 27. daß wir noch den einen Abend zusammen haben. Und mit der Büste Sie bei Tageslicht zu vergleichen ist doch ganz nothwendig! Was würde die Büste ohne uns! Aber es wär wirklich eine große Freud wenn es so zusammenklappte wie ich eben vorgeschlagen. Frau J. auf der Bühne kann ich mir ganz gut vorstellen, eigentlich gehört sie doch in dieses clair obscure nicht, aber ist sie nicht zu alt zu einer solchen Metamorphose?
Auf baldges Wiedersehen also! XXXX
Treuliebend Ihre
getreuesten Herzogenberge

Wollen Sie so gut sein u. dem Hildebr. das Brfl übergeben.
Vielleicht wenn’s mit dem Don Juan nichts ist kann Levi sonst was Schönes was Sie lieben u. wir dann natürlich auch auf den 28. ansetzen!! Aber davon hab’ ich ihm nichts geschrieben ich kam mir schon sehr frech vor mit der einen Zumuthung u. fürchte, Sie finden’s unglaublich.

  Absender: Herzogenberg, Elisabeth von (691)
  Absendeort: Königssee
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 15
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit den Familien Voigt, Preußer, Herzogenberg und anderen Korrespondenten in Leipzig / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller, Ekaterina Smyka / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2016
ISBN: 978-3-86846-026-1
629ff.
 



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