19.12.2019

Briefe



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ID: 18635 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 26.09.1886
 

26. September Liseley zum letzten Mal.

Meine theure Frau Schumann,

Wie haben mich Ihre letzten Zeilen mit der Nachricht von Eugeniens Unwohlsein erschreckt u. wie froh war ich gestern durch Hildebr. zu hören daß Sie abgereist seien – welch schwere Tage haben Sie Aermste durchmachen müssen, man stellt sich auf Reisen doch alles noch schlimmer vor, aus Angst vor dem Schlimsten. Gottlob daß es doch so vorüberging. Daß es sich mit unserm Wiedersehn in Münch. so traf, ist mir ein Herzenskummer, es bleibt bei unsrer Abreis. morgen da ich mit Julia wegen ihrer Athemnoth zu Oertl will. Wir werden Dienstag alle wohl in d. Orpheus gehen u. mit Angst, Joachims wegen, dem es gewiß immer noch schrecklich wäre, wenn die Frau die seinen Namen trägt sich blamirte. Ich schreibe Ihnen von Berlin aus wie es war.
So ungelegen der Besuch der hannov. Princeß jetzt auch war, so hab ich ihn doch genossen, da ihre Herzlichkeit u. Einfachheit wirklich bezaubernd ist u. sie mit allem vorlieb nehmend, sogar alles gut fand u. tapfer aß! Die Köchin die nach u. nach vortrefflich wurde u. die ich mitnehmen wollte, stellt sich nun als ganz kränklich heraus u. ich fange mit Hauskreuz in Berlin an. Aber die alte „kleine Marie“ hilft mir 14 Tage aus. Hoffentlich fand Ihre Tochter jemand Tüchtiges. Es ist denn doch eine wichtige Frage! So recht herzlich wünsche ich Ihnen einen guten Winter u. bessere Gesundheit, möchte nur Meran u. auch die Anstrengung b. Modelliren Ihnen nicht nachhaltig geschadet haben u. Sie sich kräftig genug fühlen, nach Berlin zu kommen! Ihre Büste sehen wir im Kunstverein, wie freut mich das. Bitte sagen Sie Filluchen, die rothe Wolle sendete ich aus München. Die arme Bezold hat immerfort Lazareth in Vordereck, Mutter kl. Nichte u. sie selbst krank. <Dienstag> Mittwoch fahren wir also von München weg, sind 30. in Ber
Danke für die Rehdecke die Sie hoffentlich benutzten.
Liebe liebe Freundin Sein Sie gegrüßt, von Heinrich meiner guten Mutter u. Ihrer Sie so sehr liebenden treuen
Lisl

Eugenie und Marie schönste Grüße, ich werde nächstens betreffs Eugeniens einen speciellen Wunsch laut werden lassen! Entschuldigen Sie diese zerfahrenen Zeilen, von Koffern, die nach mir gähnen umgeben, wird es nicht besser.

  Absender: Herzogenberg, Elisabeth von (691)
  Absendeort: Liseley
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 15
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit den Familien Voigt, Preußer, Herzogenberg und anderen Korrespondenten in Leipzig / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller, Ekaterina Smyka / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2016
ISBN: 978-3-86846-026-1
631ff.
 



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