19.12.2019

Briefe



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ID: 18712 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 11.12.1878
 

Hochverehrte Frau!

Welche große Freude mir die Botschaft des Fräulein Fillunger brachte, können Sie sich denken! Und nun gar das Weihnachtsgeschenk für meinen armen ^ — und was das Beste ist, von Ihnen! — Alle Freunde freuen sich, daß etwas von Ihnen auf meinem Weihnachtstische liegen wird, denn natürlich bescheere ich dem Heinrich bei mir, und er bekommt eine Taschenuhr von Ihnen!! Ich dächte der Iunge müßte närrisch werden vor Freuden, — eine Uhr ist an und für sich etwas so Einziges, wie ein lebendig Wesen (und er hat natürlich nie eine gehabt, und braucht sie so nothwendig, um pünktlich im Konservatorium zu sein), und nun gar von Ihnen! — Und diese Uhr seinen Mitschülern zeigen zu dürfen und Iedem einzeln zu sagen: die ist von Frau Clara Schumann mir geschenkt! — Es ist eigentlich zu viel, und wenn der Iunge so recht bei Verstande ist, so muß er ihn darüber verlieren.

Von der Sammlung der 600 Mark wissen Sie wohl auch. Ich habe der Frau Lucas darüber geschrieben. Da ich 5*5 6 Freitische bei meinen Freunden verschaffen konnte, hoffe ich die Hälfte des Geldes zurücklegen zu können für die Zeit, wo die Sammlung aufhört und fein Erwerb durch Stundengeben noch nicht hinreichen wird, um ihn zu erhalten. —

Daß das Bachconcert gut ausgefallen, und Lisi Herzogenberg „wie gewöhnlich" gespielt hat, wird Ihnen Fräulein Fillunger erzählen, vielleicht aber verschweigen, daß ihre Stimme herrlich klang, obgleich nicht so groß wie neulich im Messias, denn über diese Leistung waren wir Alle ebenso erstaunt als beglückt, da wir sie sehr lieb haben. —


Um Ihre Gaben für den Bazar hat man sich gerissen, — das herrliche Autograph ist für 80 Mark verkauft worden. Brahms hat auf vieles Bitten eins geschickt mit den Worten: „Nein, es ist nicht auszuhalten mit den Leuten" :c. — im Ganzen haben wir mit Abzug der Kosten 15000 Mark Reingewinn für die Armen durch diesen Bazar! — Ich wollte nur danken und kam in's Schwatzen! Verzeihung! In unbegrenzter Verehrung und Liebe

Ihre Hedwig v. Holstein.

[Hedwig von Holstein, Eine Glückliche. Hedwig von Holstein in ihren Briefen und Tagebüchern, Leipzig 1901, S. 301 f.]

  Absender: Holstein, Hedwig von, geb. Salomon, Hedwig (734)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
 



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