19.12.2019

Briefe



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ID: 18913 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 20.12.1895
 

Hochverehrte Frau,

Indem ich Sie um einen Dienst bitte, bin ich mir vollkommen bewusst, in den letzten Jahren es manchmal in den äusseren Zeichen der Verehrung, wie ich sie Ihnen nicht nur schulde, sondern auch wirklich empfinde, gefehlt zu haben. Ich bitte Sie herzlich mir auf mein Wort zu glauben, dass Umstände, die mit dieser Verehrung für Sie nichts zu thun haben, mich davon abhielten zu Ihnen zu kommen. Ich darf hinzufügen dass ich, der ich nicht Ihr Schüler bin, vielleicht noch mehr wie die andren Lehrer, Ihr Vermächtniss am Conservatorium hoch gehalten habe, und ich betrachte es als ein Glück einige Jahre neben Ihnen als Lehrer thätig sein zu dürfen in meinem Leben als Thatsache zu constatiren. Ich darf auch anerkennen dass Sie, hochverehrte Frau, während dieser Jahre den Eindruck gewonnen haben, dass ich als Künstler und Lehrer das Beste erstrebe, und auch manchmal erreicht habe. Da ich nun augenblicklich in Unterhandlung stehe mit zwei auswärtigen Conservatorien, |2| (Boston und Manchester), da es mir pecuniär hier sehr schlecht geht (es nimmt eben Niemand Privatstunden bei mir) so würde ich Ihnen herzlich dankbar sein, wenn Sie mir ein Zeugniss in aller Form ausstellen würden, dass ich als Pianist und Lehrer etwas Tüchtiges bin. Von Ihnen wird man’s glauben, mir glaubt man es ja nicht. Nehmen Sie, bitte, diese Zeilen gut auf, und lassen Sie mich schliessen mit den warmen, aufrichtigen Wünschen für Ihr Wohl, das Allen, die es mit der Kunst gut meinen, am Herzen liegen muss.
In herzlicher Ergebenheit
Ihr
James Kwast.
20/12. 95.

Darf ich Sie freundlich bitten hier in der Stadt über diesen Brief nicht zu sprechen?

  Absender: Kwast, James (897)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 16
Robert und Clara Schumanns mit Bernhard Scholz und anderen Korrespondenten in Frankfurt am Main / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller und Anselm Eber / Dohr / Erschienen: 2020
ISBN: 978-3-86846-027-8
701f.
 



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