19.12.2019

Briefe



Rückwärts
	
ID: 18918 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 27.01.1891
 

D. 27. 1. 91.

Sehr geehrte Frau!

Gestatten Sie dem Verfasser des Buchs „Rembrandt als Erzieher“ gütigst eine Anfrage. Ich bin für einige Tage auf der Durchreise hier und würde es mir zur besonderen Ehre und Freude anrechnen, wenn ich Ihnen meine persönliche Aufwartung machen dürfte. Ich schätze und bewundere in Ihnen einen Theil des Geistes – einer besseren Zeit – der sich noch in die Gegenwart hinübergerettet hat und den ich, soweit meine |2| Kräfte und mein Wille reichen, wenn möglich wieder zum Siege oder doch zu einem Wiederaufleben verhelfen möchte. Daß ich Ihren verewigten Herrn Gemahl überaus verehre, brauche ich wohl nicht zu sagen; ich denke einem demnächst erscheinenden vermehrten Druck des „Rembrandt“ ein Motto aus seinen Schriften vorzusetzen. Darf ich kommen und ihm wie Ihnen meine Huldigung darbringen? Ich unterzeichne mit meinem Namen, der ohne mein Zuthun bereits halbwegs in die Oeffentlichkeit gedrungen ist; innere sachliche Gründe veranlassen mich aber, bis weiters mit meiner Person gänzlich zurückzutreten; ich darf daher wohl |3| die Bitte wagen, weder meine Anwesenheit hier noch meinen Namen irgend Jemandem mitzutheilen. Sollten Sie geneigt sein, meinen Wunsch zu erfüllen, so bitte ich um eine gütige Mittheilung von Zeit und Stunde, wo ich am wenigsten störe.
In aufrichtiger Verehrung
J. Langbehn.

pr. adr. Hauptpost, lagernd, Frankfurt a. M.

  Absender: Langbehn, Julius (908)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.16, S. 724f.
 



Wir verwenden Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten (Mehr Informationen).
Wenn Sie auf unserer Seite weitersurfen, stimmen Sie bitte der Cookie-Nutzung zu. Ich stimme zu.