15.07.2019

Briefe



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ID: 18927 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 31.12.1867
 

Berlin d 31t Decbr 67.
Verehrte geliebte Freundin!
So laut es in unserem Hause auch aussieht denn wir haben Logierbesuch (kennen Sie diesen Menschenschlag?) u anderen, so möchte ich doch das alte Jahr nicht beschließen ohne Ihnen herzliche Wünsche für das neue ausgesprochen zu haben. Wolle Gott Sie uns Allen die wir Sie theure Frau lieben gesund erhalten, u Ihnen erfüllen was Ihr Herz begehrt womit Sie beglückt zu werden verdienen! Vielen Dank für Ihre lieben Briefe, sie waren eine Genugthuung für mich; u ich werde ferner mit Schiller sagen „ich ehre Sie, auch wenn ich Sie nicht verstehe“ –. Diese poetische Äußerung müssen Sie mir schon zu Gute halten denn Paul Heyse aus Munchen [sic] u Ribbecks aus Kiel sind hier, u so reflectirt der Gast auf seinen Wirth. Recht wehe that es mir daß Ihre Festesfreude Festesfreude durch das Unwohlsein Ihrer lieben Julie gestört gewesen. Ich hatte mir dieses Beisammensein so schön gedacht, wie es gewiß auch gewesen wäre denn wie selten ist es Ihnen gegönnt alle die Ihrigen um sich zu haben. Wolle Gott nur recht bald das rechte Mittel senden das Ihre liebe Julie völlig heilen könnte, es ist vielleicht ein ganz einfaches wer es richtig fände! Der Sommer wird hoffentlich wieder heilen was wohl der rauhe Winter diesmal verschuldet, denn schließt er ja auch hoffentlich wieder das Zusammenfinden im lieben Mutterhause mit ein, wo es dem Kinde doch eigentlich erst recht wohl ist. Daß Sie liebe Freundin für Ihre liebe anspruchslose Marie das einfachste Medaillon gewählt, sieht Ihnen Beiden ähnlich genug, ich hoffte es würde sich eines mit den kleinen Brillanten Ihrer Gunst erfreuen, aber vergebens vergebens; jedenfalls aber ist es mir eine Freude gewesen, diesem lieben Kinde eine kleine gemacht zu haben. Empfehlen Sie mich gütigst Ihrer gesammten Familie mit herzlichen Wünschen, Ihre Frl. Tochter Elise hofft mein Mann im Januar zu sehen. Können Sie denn Ihre Reise nach England nicht noch ein wenig hinausrücken bis das Wetter milder geworden, u Sie unbeschadet den Bestimmungsorten zuführt, es schnürt mir das Herz zusammen in dieser Kälte theure Menschen auf der Landstraße zu denken. Gott geleite Sie glücklich in’s neue Jahr in Ihr ferneres Leben, u schenke mir die Fortdauer Ihrer Freundschaft
Ihre Sie herzlich verehrende u liebende
Freundin Sara Lazarus

Steinthals u Ernestinchen wünschen ein gutes Jahr, u gratuliren.

  Absender: Lazarus, Sarah (918)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.18, S. 167f.
 



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