15.07.2019

Briefe



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ID: 18929 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 17.07.1868
 

Herzliebe Freundin!
Ihr lieber Brief hat uns gestern Abend empfangen, herzlich erfreut trotz seines theilweise ernsten Inhalts, aber es waren wieder einmal Worte von Ihnen die wir schon herzlich entbehrt, zumal wir Sie in Berlin versäumen mußten, Sie vergeblich in Ihrem trauten Hause aufgesucht. Um so mehr hoffe ich werden Sie unsere Wünsche erfüllen die mein Mann Ihnen schon ausgesprochen u Ihren Rückweg über das Berner Oberland nehmen das Sie sicher erquikken, u uns beglücken würde. Ohne allen Egoismus dürfen wir Ihnen den hiesigen Aufenthalt an’s Herz legen; Italien in dieser Jahreszeit besuchen ist gewiß noch ganz abgesehen von dem jähen Wechsel der Temperatur, ein recht anstrengendes Unternehmen, u Fr. Elise würde wenn sie das Beste zuerst genösse, ungerecht gegen das schöne Oberland werden, was wir nicht zugeben können. Führen Sie die geliebte Mutter uns hierher, es wird Sie gewiß nicht gereuen Frl. Elise; u wenn Sie wüßten wie sehr wir darauf begehren mit dieser einzig theuren Frau mal wieder einige ruhige gemüthliche Tage an einem Orte zu verleben der grade für diese Eigenschaften wie gemacht ist, Sie würden gewiß gern ein Vergnügen heraus rücken das Ihnen immer noch wie die ganze Welt offen stehet; anders aber ist es mit Unsereinem da heißt es festhalten den Augenblick der Einem etwas Glückliches verspricht. Wir haben im neuen Haus obiger Pension recht gute Wohnung gefunden u sind im Ganzen recht zufrieden. Ein paar Worte einige Tage vor Ihrem Eintreffen wird hoffentlich ausreichen Sie im gleichen Hause einzulogiren, wenn andres Sie liebste Freundin nicht andere [sic] Wünsche haben. Jeanettchen hat in dem kurzen Aufenthalt schon an Kräftigung gewonnen, ist daher heiter u hoffnungsvoll, u auch wir hoffen daß sie genesen heimkehrt; sie dankt u erwiedert Ihre Grüße auf’s Herzlichste. Mein Mann ist heiter u glücklich in der schönen Natur in der Muße die er sich eben nur fern von seinem Schreibtisch gönnt, u gönnen kann; eine Feder in die Hand nehmen scheute er in dieser Wonnezeit wie sie für ihn eine ist, völlig, aber als heut Ihr lieber Brief zur Beantwortung vorlag war er so schnell dabei daß ich meine rechte Freude daran hatte. Es regnet, u ich schreibe im Freien, ich wollte ausharren bis mein Brief zu Ende, da macht er sich aber so bemerkbar daß auch Sie theure Frau es bemerken u gütigst entschuldigen müssen. Leben Sie denn wohl, u verkümmern Sie sich den schönen Aufenthalt nicht durch mancherlei Sorgen die mit Gottes Hilfe auch wieder gehoben werden. Nur getrost! Der alte Gott lebt noch.
Ihre Sie herzlich liebende verehrende
Sara Lazarus

  Absender: Lazarus, Sarah (918)
  Absendeort: Interlaken
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.18, S. 173ff.
 



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