15.07.2019

Briefe



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ID: 18936 Brieftext


Geschrieben am: Montag 25.11.1872
 

Meine geliebte verehrte Freundin!
Ich hoffe Sie werden mein Schweigen verstanden haben, noch heut’ ist es mir schmerzlich schwer Ihnen durch die Feder einen Ausdruck meines Schmerzes u meines Antheils zu geben für ein Schmerzensereigniß das Sie einzig liebe Seele so verwundend betroffen. Nur mit Ihnen klagen kann ich, nicht Sie trösten. Wer dies herrliche Geschöpf gekannt u die Anmuth ihres Wesen geliebt, der hat sie mit verloren. Wie selten treffen so viele Tugenden zusammen wie wir sie hier vor uns gesehen, u wie sie Jedem der sie näher zu kennen das Glück gehabt unvergeßlich bleiben müßen. Eines kann Sie neben dem Glück das Gott Ihnen in dem Werth Ihrer übrigen Kinder gegeben, trösten: das [sic] sie verheirathet gewesen, u Sie Kinder von ihr lieben können. So schmerzhaft diese Hinterlassenschaft augenblicklich auch erfaßt, so wird Ihnen ein Trost darin hervorwachsen, eine verjüngte Julie vielleicht sogar in der Aehnlichkeit. Daß Sie sich in der Kunst treu geblieben, u Ihrem Schmerze in dem Beruf nicht nachgegeben dafür umarme ich Sie, das werden wir Ihnen nicht vergessen. Gott seeg’ne Sie in jedem Ihrer geliebten Kinder die Ihnen ja eine beglückende Stütze sind, u werth dazu berufen zu sein. Wolle ein gnädiges Geschick Ihrem zärtlichen Mutterherzen so viel Besänftigung schenken daß Sie neuen Lebensmuth gewinnen u für neues Glück das nicht ausbleiben kann empfänglich sind. Ich sehne mich von Herzen Sie Alle wiederzusehen, u so umarme ich Sie u die Kinder in treuer Liebe
Sarah Lazarus

  Absender: Lazarus, Sarah (918)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.18, S. 241f.
 



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