15.07.2019

Briefe



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ID: 18948 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 12.09.1879
 

Alt Schönefeld d t Sept. 79
Sehr verehrte geliebte Freundin!
Ich möchte diesem schönen Tage Ihres erneuerten Lebensfestes mit mei¬nen Herzenswünschen u Dank nicht fern bleiben wenn ich sie auch nur mit schwacher Hand auszudrücken vermag, da ich wieder seit Wochen in alter Weise leidend bin.
Möge Ihnen geliebte Freundin von nun an jegliches Leid fern bleiben, u Sie vor Allem durch Gesundheit, wie die der lieben Kinder gesegnet sein! Die Erfüllung dieses Wunsches schließt so vieles Glück mit ein, daß man dem Herzen nur noch das Glück der Zufriedenheit hinzu wünschen braucht, um wie bei Ihnen |2| Ihnen bei der Ueberschau des eigenen Lebens volle Genugthuung voraussetzen zu dürfen. Selten wohl ist das Dasein einer Frau von Schmerz u Freuden so inhaltsreich u vertieft an uns vorübergegangen das so viele Sympathie u Theilnahme erweckt als das Ihrige theuerste Frau, so daß in Ihrer Kunst von dem fühlenden Theile Ihres Publicums stets eine Art Reflexwirkung Ihrer innersten Seele u Ihres Lebens wahrgenommen wird. Sie glauben es kaum wie wir uns danach sehnen Sie einmal wieder wie in guter alter Zeit ungejagt u ungestört wie¬derzusehen u da auch Sie den Wunsch theilen sinnen wir ganz ernsthaft darauf Sie im nächsten Jahre irgendwo aufzusuchen u nachzuholen was unserem Herzen so lange versagt gewesen. Welch eine Freude Sie uns |3| uns mit Ihrem geliebten Bilde gemacht können Sie denken, ich küßte es, u da ich einen ernsten Zug ich möchte sagen den des Schmerzes her¬ausgelesen, so fiel unwillkürlich eine Thräne mit hinein. Ich danke Ihnen herzlich für dieses liebe Geschenk. Ich wäre sogar so kühn gewesen Ihnen mein Conterfey beizulegen, fände ich selbst nur es der Mühe werth – trotz der Eigenliebe halte ich es zurück, sagte auch dem Photographen – ich hätte müssen 30–40 Jahre früher zu ihm kommen, so aber bleibt es unter 4 nachsichtigen Augen. Aber das meines Mannes lege ich bei, es scheint mir gut u gelungen u Ihrer freundlichen Aufnahme werth, ich weiß es ja, daß Sie Verehrteste meinen lieben Philosophen auch lieb haben. Aber daß unsere theure Frl. Marie so leidend war hat uns sehr erschreckt u beküm¬mert, wie werden Sie Alle darunter gelitten haben, u sie selbst am meisten dadurch all ihren Lieben für eine Zeitlang die Stütze entziehen zu müssen. Gott schenke ihr bald volle Kraft u freudige Entschädigung für alle Ein¬buße. So leben Sie geliebte Seele von Herzen froh u glücklich; sei Ihnen der lezte Tag des Jahres wie der erste froh heiter u beglückend!
In alter treuer Liebe Ihre Sarah Lazarus
Fräulein Eugenie grüße ich herzlich wie Alles das zu Ihnen zählt.
NB Wie schade daß wir von Ihrem Aufenthalte in Charlottenburg nichts gewußt, wie gern hätten wir Sie aufgesucht! Wir gingen erst An¬fangs August hierher, nach dem beendeten Semester meines Mannes.

  Absender: Lazarus, Sarah (918)
  Absendeort: Alt-Schönefeld
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.18, S. 268-271
 



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