19.12.2019

Briefe



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ID: 18951 Brieftext


Geschrieben am: Montag 11.09.1871
 

Leipzig d 11ten September 71
Liebe, verehrte Freundin!
Im Unmuth herber Resignation hat der Prediger Salomonis behauptet: das Verkehrte könne nicht wieder recht gemacht, und das Fehlende nicht ergänzt werden. Das Leben überrascht uns zuweilen mit der beglückenden Wahrheit, dass der Herr Prediger Salomonis sich geirrt hat. Indem ich das Vergnügen habe, Ihnen in dem 3ten fehlenden Bande Ihres Göthe einen kleinen Beweis dafür zu senden, füge ich für den 13ten dM. den herzlichen Wunsch hinzu, dass Ihnen die gleiche Wahrheit noch oft u erfreulich im Leben begegnen möge. Meine Frau verräth mir etwas davon, dass Sie Mißverständniss bei mir aus unserem letzten Gespräch fürchten. Fürchten Sie ein solches nie bei mir; nicht als ob ich damit an Ihre Zuversicht auf meine Menschenkenntniß appelliren wollte; aber in dem Einen ist Ihr sonnenheller Charakter gewiß auch einem blöden Auge deutlich, dass alles Enge Enge und Kleine Ihnen fern liegt. Seien Sie, liebe Freundin, darum versichert, dass ich Sie jederzeit kennen, und, das ist glücklicherweise eins, verehren werde als Ihr aufrichtig u innig ergebener
Freund Lazarus

  Absender: Lazarus, Moritz (916)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 18
Briefwechsel Clara Schumanns mit Korrespondenten in Berlin 1856 bis 1896 / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz, Eva Katharina Klein und Thomas Synofzik / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2015
ISBN: 978-3-86846-055-1
218f.
 



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