19.12.2019

Briefe



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ID: 18967 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 12.09.1888
 

Verehrte, liebe Freundin!
Die Jahre mögen reich an Ereignissen u öffentlichen Erlebnissen, wie es unserer Nation in diesem beschieden war, sein, aber gleichmäßig dahinfließen; immer erscheinen sie uns im Rückblick wie verflogen, und wir begreifen, weshalb schon die ältesten Dichter sie die „rollenden“ nannten, während unser eigenes Gemüth sich auf derselben Stelle findet. Wir werden dessen aber froh, wenn diejenigen, denen unser Gemüth sich unveränderlich zugewendet, mit der Zuversicht der Vereinigung uns erhalten geblieben sind. Denn das sind die edelsten u zugleich dauerndsten Früchte, welche des Lebens Frühling u Sommer uns gezeitigt haben. Zu diesen ernsten u doch wieder beglückenden Gedanken regt Ihr Lebensfesttag mich immer aufs Neue an. In ihnen sind auch die Wünsche enthalten, welche mein Herz immer u an diesem Tage besonders für Sie hegt: dass Ihnen, theure liebe Frau, alle Schätze des Gemüths weitere viele Jahre u mit ihnen die gesundheitliche u rüstige Genußfähigkeit erhalten bleiben. In alter Treue
Ihr Lazarus

  Absender: Lazarus, Moritz (916)
  Absendeort: Schönefeld bei Leipzig
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 18
Briefwechsel Clara Schumanns mit Korrespondenten in Berlin 1856 bis 1896 / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz, Eva Katharina Klein und Thomas Synofzik / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2015
ISBN: 978-3-86846-055-1
319f.
 



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