15.07.2019

Briefe



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ID: 18983 Brieftext


Geschrieben am: Montag 12.09.1892
 

Berlin d 12ten Septbr 92
Innig verehrte geliebte Freundin!
Wo dieses Blatt Sie auch finden möge in der Heimath, oder noch auf Reisen, es bringt Ihnen herzliche Glückwünsche zu Ihrem neuen Lebensjahre; möge es gesegnet sein durch ungestörtes Wohlergehen durch verdiente Freude an den lieben Kindern, an Ihrer edlen Kunst, u Wohlthun an so Vielen! Vor längerer Zeit nachdem wir Briefe ausgetauscht, hatten wir das lebhafte Bedürfniß von Ihrem weiteren Ergehen zu hören, u schrieben wieder nach Interlaken haben aber bis jetzt keine Antwort erhalten, vielleicht hatten Sie Interlaken schon verlassen u der Brief wurde Ihnen nicht nachgeschickt, oder er ist sonst wie verloren gegangen. An dem Briefe ist nichts gelegen, aber wir wußten nun nicht wie Ihnen der wechselvolle Sommer bekommen, u der plötzliche Umschlag von Kälte, u der entsetzlichen Hitze. Mich hatte die Hitze bald umgebracht, bei dem Luftmangel den das Asthma ohnehin mit sich bringt, hatte ich furchtbare Zustände zu überstehen, lebe zwar noch, aber wie. Wir waren dies mal nur 8 Wochen in Schönefeld. Mein Mann der recht angegriffen auch sehr an Rheumatismus leidet sollte zunächst auf eine Höhe, u dann nach Wiesbaden ins Bad gehen das Erstere gab er auf, um mich nicht so lange allein zu lassen, zumal im kranken Zustande, u ist nun auf dringendes Anrathen des Arztes, u ganz vor Kurzem nach Wiesbaden abgereist nachdem er mich zu [sic] Hause begleitet wo es ihn mehr mich zu wissen beruhigte, u nur schwer dahin abgereist. Wie schwer ich Ihn entbehre können Sie geliebte Frau denken, sein Wesen hat etwas so Beruhigendes & tröstliches, das man in leidenden Tagen so schwer entbehrt, zumal er selbst leidend, u ich in fortwährender Angst um ihn lebe. Sollten Sie geneigt sein u ein Stündchen finden das Sie nicht anstrengt, so würden Sie geliebte Freundin ihn herzlich erfreuen, ihn zu seinem Geburtstage durch einige Zeilen beglücken. Ich weiß es aus Erfahrung wie Ihr Geburtstags-Gruß immer auf ihn wirkt, u wie beglückt er durch Ihr treues Gedenken ist. Seine Adresse: Wiesbaden Hôtel Kaiserbad Wilhelmstr. Die Freude wird groß sein, denn dorthin erwartet er ja Nichts. Doch nun theure Frau! wie geht es Ihnen u den geliebten Töchtern? Fräulein Eugenie, ist sie wieder hergestellt? es hatte uns tief bekümmert daß Sie neben den eigenen Leiden noch derartige Verstimmungen u Sorgen haben; Gott bessere es! Man wird unter solchen Umständen seines Lebens nicht mehr froh. Und doch hat man Gott noch für Vieles zu danken, blicken wir um uns, wie viel Weh u Noth. Könten [sic] wir Sie doch nur einmal ein paar ruhige Tage genießen! wäre ich gesund gewesen, wir waren [sic] nach Interlaken zu Ihnen gereist. Es wäre schön gewesen, aber es hat nicht sollen sein.
So leben Sie geliebte Freundin mit den geliebten Kindern herzlich wohl! Gott erhalte Sie gesund u glücklich Ihre
getreue Sarah Lazarus

  Absender: Lazarus, Sarah (918)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.18, S. 338ff.
 



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