19.12.2019

Briefe



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ID: 19044 Brieftext


Geschrieben am: Montag 08.03.1880
 

Liebe Frau Schumann!
Heute habe ich einer Probe der B-dur-Sinfonie, welche übermorgen aufgeführt wird, gemerkt, daß ich eine Dummheit gemacht habe, indem ich Ihnen vorschlug, die Horn-Stelle im Adagio S. 101 so zu verändern: XXX Unmittelbar vorher Seite 97, hat nämlich das Horn die Stelle so zu blasen; wenn sie also Schumann das zweite Mal nur so vorgeschrieben hat: XXX so kann dies nicht Rücksicht auf die Schwierigkeit der Ausführung gewesen sein, sondern muß einen anderen Grund haben, den ich mir freilich nicht denken kann. In dem Manuscript hat das Horn beide Male XXX zu blasen, was mir auch das Natürlichere scheint. Trotzdem liesse sich darüber streiten, ob man die Aenderung machen soll oder nicht. Die Sache ist nicht so wichtig, als daß Sie darüber an Härtel’s schreiben sollten; mir ist es nur darum zu thun, zu constatiren, daß ich damals irrte, als ich annahm, Schumann habe der Schwierigkeit wegen dem Horn XXX statt XXX zu spielen gegeben. Heute passirte mir etwas Komisches in der Probe. Ich dirigirte den ersten Satz auswendig, klopfte bei einer Stelle ab, und sagte dem Trompeter, er solle keine Witzchen machen. Der replizirte, er habe genau gespielt, wie es dastehe. Darauf sah ich in der Partitur nach, und fand, daß er Recht hatte; es ist der erste Takt auf Seite 34,wo die Trompete, statt des durch den ganzen Satz gehenden Rhythmus XXX auf einmal so: XXX zu spielen hat. Diese sehr nette und lustig klingende Nüance ist wohl auch Ihnen bisher nicht aufgefallen? Im Manuscript ist sie mit Bleistift hineincorrigirt, ist also Schumann auch hinterher erst eingefallen. – Gestern Abend Tristan; heute Conzertprobe; dazu einen Krampfhusten, der mich keine Nacht schlafen lässt!
Wann hört man wieder Etwas von Ihnen? Ist Etwas mit Kalbeck abgemacht?
Sein Sie mit den Ihren herzlich gegrüsst
von Ihrem treu ergebenen
Hermann Levi

8.3.80.

  Absender: Levi, Hermann (941)
  Absendeort: o. O.
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 5
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Franz Brendel, Hermann Levi, Franz Liszt, Richard Pohl und Richard Wagner / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Thomas Synofzik, Axel Schröter und Klaus Döge / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2014
ISBN: 978-3-86846-016-2
827ff.
 



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