15.07.2019

Briefe



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ID: 19242 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 13.09.1881
 

Büdesheim z. 13t Sept. 81.
Liebe verehrteste Frau Schumann,
Ein kleines Zeichen meines Gedenkens möchte ich heute bei Ihnen wissen, das Ihnen, theure Frau, sagen soll, wie ich treu und wärmsten Herzens an Sie denke und alles Gute, Schöne, Erfreuliche Ihnen wünschen möchte, was das Leben zu geben vermag. Wenn die Liebe derer, deren Herzen Ihnen so warm angehören, Jedes Stäubchen Ihnen vom Weg räumen könnten, da blieben gewiß keine Wünsche unerfüllt, denn Sie sind so Vielen ein Segen. Aber uns armen Gratulanten, die wir heute in langen Reihen bei Ihnen anklopfen, wir vermögen ja Nichts, als um die Erfüllung alles dessen zu bitten, was Jeder nach seiner Art u. Weise von einem gütigen Geschick erflehen möchte. Verzeihen Sie, wenn jeder Einzelne, auch ich, – in seines Herzens Drang zu viel sagt, und ersehen Sie aus Allem, – auch bei mir, – nur Liebe u. Verehrung.
In diesem Sinne bittet auch die kleine bescheidene Arbeit um gütige Aufnahme; ich bin leider weder gewandt noch geschickt, aber mit besonderer Freude, dachte ich beim Arbeiten daran, daß es Ihnen vielleicht einst dienen dürfte.
Könnten wir Ihnen doch heute wie damals hier aufbauen! Aber die Rosen sollen Büdesheim vertreten und die Ueberbringer unserer Wünsche sein, Sie liebste Frau Schumann, und Ihre lieben Töchter recht bald und so lange wie möglich bei uns zu sehen. Bitte enttäuschen Sie uns nicht, es wäre mir die liebste Belohnung für mein geduldiges Aushalten fast fünfwöchentlichen Liegens. Jetzt geht es besser, und ich hoffe bald wieder ganz mobil zu sein.
Elise schenkte mir leider nur einen Tag, der so schnell verging, daß er mir wie ein Traum erscheint; so unglaublich scheint es mir auch, daß dies für diesmal mein ganzes Zusammensein mit ihr sein soll. Das Herz thut mir weh wenn ich daran denke. Die Kinder sind reizend u. es freut mich, daß Robsy in der kurzen Zeit Freundschaft mit mir schloß. Das Weggehen wird auch einen rechten Schatten auf Ihre Geburtstagsfreude werfen; es wäre für Alle so schön gewesen an diesem Tag noch zusammen zu sein. Hoffentlich verleben Sie ihn doch recht harmonisch und heiter, und erlauben den Anderen Sie verehrteste Frau, nach Herzenslust zu verwöhnen.
An Frl. Eugenie schreibe ich wenn möglich noch, ich erwarte Frl. Fillunger heute od. morgen. Darf ich Sie bitten die besten Grüße auch an Frl. Marie ausrichten?
Mein Mann trägt mir die herzlichsten Wünsche und Empfehlungen auf und ich schließe in alter Liebe und Verehrung
Ihre von
Herzen ergebene
Marie.

  Absender: Oriola, Marie von, geb. Christ, verh. Berna (2699)
  Absendeort: Büdesheim
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.12, S. 516f.
 



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