15.07.2019

Briefe



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ID: 19244 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 10.09.1882
 

Büdesheim d. 10t Sept 82.
Meine liebe beste Frau Schumann,
Heute nehme ich einen festlichen Bogen zur Hand, der der Ueberbringer meiner wärmsten Herzenswünsche sein soll, welche ich in dem Einem zusammenfassen möchte: daß Ihnen theuerste Frau, so viel Glück zu Theil werde wie Sie Anderen, u. so unendlich Vielen eine Lebensfreude u. ein beglückendes Element in dem oft sonnenlosen Dasein sind. Dann wird Ihr Leben ein reich gesegnetes sein, das Gott noch lang lange erhalten möge zu unser Aller Glück u. Freude!
Könnte ich doch zu Ihnen mich versetzen, wie Sie gewiß von allen erdenklichen Zeichen der Liebe umgeben sind, den Tag in der göttlichen Natur des Südens doppelt genießen! Es muß herrlich an den Seen sein und der Zauber Italiens hat es gewiß auch Ihnen angethan. Ich möchte Sie so gerne erzählen hören und ob Sie den allgemeinen Enthusiasmus nun ganz begreifen. Wie lange bleiben Sie wohl aus? ich wage kaum auf ein Wiedersehen vor unserer Abreise zu hoffen denn ich weiß wie schwer man sich von dem Wunderlande losreißt und doch wird mir das Herz ganz schwer, wenn ich an die lange Trennung ohne ein liebes Wort von Ihnen liebste Frau Schumann u. den Mädchen denke. Wir wollen am 19t D. in Frankfurt übernachten, am 20t über Vlissingen nach London und am 5t October geht unser Schiff Celtic, von der White Star Line von Liverpool aus in See. Wir können leider nicht später von Frankfurt aus abreisen, was ich nicht gut schriftlich erklären kann, sonst gäben wir ja gern einige Tage zu, was für Manches auch viel angenehmer wäre. Wir wissen jetzt schon kaum wo uns der Kopf steht, dabei noch Besuch im Haus, der bis Ende der Woche bleibt und hundert Verpflichtungen nach Außen.
Gott geb, daß nach unserer Rückkehr im Januar recht viel Ruhe in unser Leben kommen möge! Wie freue ich mich darauf und auf das Wiedersehen mit Ihnen.
Meine kleine Gabe, eine Arbeit, an der ich leider nicht viel gethan habe, erwartet Sie bei der Rückkehr und darf Ihnen hoffentlich recht oft nützlich sein.
Heute sollen diese Rosenblätter Ihnen statt einem festlichen Strauß entgegenduften, und Büdesheims treuste Wünsche überbringen.
Nachträglich noch meinen besten Dank für Ihren lieben letzten Brief, natürlich bin ich über diese Sache verschwiegen. Hoffentlich wird eine Ihnen recht zusagende Persönlichkeit gewählt.
Noch Eines muß ich erzählen: daß Frl. Oser bei uns war, was mich sehr freute. Sie sah sehr wohl aus und sprach sich befriedigt über ihre Existenz in England aus. Ich hoffe daß auch sie von Büdesheim befriedigt war.
An Marie u. Eugenie den herzlichsten Gruß und Ihnen theuerste Frau, die treue Verehrung und Liebe
Ihrer auf-
richtigst ergebenen
Marie

Unsere Adresse in England ist Brunswick House Hotel, Hannover Square London

  Absender: Oriola, Marie von, geb. Christ, verh. Berna (2699)
  Absendeort: Büdesheim
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.12, S. 533f.
 



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