19.12.2019

Briefe



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ID: 19443 Brieftext


Geschrieben am: Montag 20.03.1882
 

HAUS DER ABGEORDNETEN.
Berlin 20 März 1882
Hochverehrte Frau Doctor
für Ihre freundlichen Zeilen vom 6n danke ich herzlich; ich verschob es, Ihnen den Empfang sogleich anzuzeigen, weil ich hoffte, Ihnen zugleich ein Mehreres sagen, u mittheilen zu können, wie die Sache sich anlasse u ob und eventuell wann wir hoffen könnten, Ihr gütiges Anerbieten angenommen zu sein [sic]. Allein seit fast zwei Wochen ist unser Ministerium durch die Verhandlungen des Abgeordnetenhauses so in Anspruch genommen daß es unmöglich ist, dem Minister oder einem seiner Stellvertreter in Ruhe Vortrag über eine solche Frage zu halten. Ich muß deshalb leider bitten, daß Sie so freundlich sind, ein wenig Geduld mit uns zu haben; in Zeiten so dringender politischer Geschäfte, wie sie augenblicklich unsern Minister belagern muß man solche Dinge, die etwas ruhiges Eingehen auf ein an sich ein [sic] fremdes Gebiet verlangen oft lieber zurückhalten als forciren. Dß aber Alle Betheiligte der Frage das wärmste Interesse widmen u Nichts lebhafter Wünschen als diesen schönen Besitz unserer Bibliothek gesichert zu sehen davon dürfen Sie überzeugt sein: Übrigens will ich nicht unterlassen ausdrücklich Sie darüber zu beruhigen, dß Sie, wenn Sie in Zukunft eines Theiles aus dem Nachlaß Ihres verewigten Herrn Gemahls bedürfen sollten ohne Schwierigkeit dasselbe wieder haben können, unter den dafür üblichen Bedingungen die keineswegs lästige sind. Dß es Ihnen im Ganzen wohlgehe darf ich zu meiner Freude nach Ihren freundlichen Zeilen annehmen. Von uns kann ich Gott sei Dank ein Gleiches sagen; die Kinder haben den Winter gut überstanden und entwickeln sich zu unserer Freude im Ganzen ohne erheblichen Anstoß. Dß wir nicht die Freude gehabt haben Sie in diesem Winter hier zu sehen haben wir mit allen Ihren Freunden sehr bedauert. Ist denn keine Aussicht, dß Sie einmal im Frühjahr oder Sommer hier vorzusprechen [sic]? Möchte es nur nicht in einer Zeit sein, wo wir von hier abwesend wären.
Von meiner Frau kann ich keine Grüße bringen, da ich vom Abgeordnetenhaus aus schreibe: dß sie Ihrer oft u mit Heimweh gedenkt werden Sie versichert sein.
Mit den herzlichsten Empfehlungen auch an Ihre Fräulein Töchter in wahrer Verehrung
Ihr ganz ergebener
Schöne

  Absender: Schöne, Richard (1395)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 18
Briefwechsel Clara Schumanns mit Korrespondenten in Berlin 1856 bis 1896 / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz, Eva Katharina Klein und Thomas Synofzik / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2015
ISBN: 978-3-86846-055-1
533f.
 



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