19.12.2019

Briefe



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ID: 19455 Brieftext


Geschrieben am: Montag 18.12.1882
 

Verehrte Frau!

Haben Sie besten Dank für Ihre Nachrichten über die beiden Münchener B’s! Wir wollen uns die Sache dann doch sehr reiflich überlegen, keinesfalls übereilen – das hat eigentlich Zeit bis zum Frühjahr; ich halte Sie jedenfalls au courant; ich habe wenig Neigung zweifelhafte Kräfte zu engagiren. Damit ist uns nicht gedient. Die Mittheilg der Frau Viardot, ihre Tochter betr. hat mich überrascht und – erfreut. Ich habe derselben bis jetzt keinerlei Anbietungen gemacht und kann es auch für den Augenblick nicht. Erst muß der Abschluß mit Stockhausen perfect sein; dann müssen wir abwarten, wie sich die Verhältnisse in Fft wieder gestalten. Nach dem, was Sie und Frau Artôt mir von Frau Héritte gesagt haben, ist es mein Wunsch, sie – sobald es unsere Mittel gestatten – neben Stockh. zu engagiren. Das wird zunächst davon abhängen, wie viel Schüler für Sologesang wir incl. der jetzigen Schule von St. am Conservatorium bekommen werden, zweitens davon, welche Lehrer bleiben, welche gehen. Siedelt Frau Héritte aus freien Stücken nach Frankfurt über, so ist die Möglichkeit, sie zunächst mit einer kleineren Stundenanzahl am Anf. zu betheiligen größer; deshalb begrüße ich ihre event. Ankunft dort freudig. Irgend ein positives Versprechen bez. ihrer zu geben, bin ich gegenwärtig nicht im Stande. Ich bin darin gewissenhaft u. will keine vorzeitigen Erwartungen rege machen. Ich kann nur sagen, daß das Ziel meiner Wünsche eine Solo-Gesangs-Classe in Fft wäre, an welcher Stockh. u. Frau H. <thätig> <>lehrten; damit wäre für diesen Zweig der Schule eine einheitliche Leitung u. Führung gewonnen, da ja dann beide Lehrer Garcia’sche Schüler <sind> wären. Noch aber ist das Engagement Stockhausen’s nicht ratificirt; wir sind sehr weit von den Zielen entfernt, die mir vorschweben.
Für heute nur noch freundlichen Gruß und den Wunsch eines frohen Festes!
Ihr
herzlich ergebener
B. Scholz

Breslau 18 Dec. 82.

Darf ich den Brief der Frau Viardot als Autograph behalten? Ihre Adr. ist 50 Rue de Donai

  Absender: Scholz, Bernhard (1392)
  Absendeort: Breslau
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 16
Robert und Clara Schumanns mit Bernhard Scholz und anderen Korrespondenten in Frankfurt am Main / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller und Anselm Eber / Dohr / Erschienen: 2020
ISBN: 978-3-86846-027-8
104ff
 



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