19.12.2019

Briefe



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ID: 19463 Brieftext


Geschrieben am: Montag 25.04.1887
 

Dr. Hoch’s Conservatorium
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J. No. 419b II

Frankfurt a. M., den 25 April 1887.

Verehrte Frau Schumann!

Die Ablehnung des Frl Herz für Ihre Klasse ist mir sehr leid. Sie haben ja inbetreff der Annahme von Schülern das entscheidende Wort, und ich wünsche auch nicht, daß Sie sich mir zu Gefallen eine Last auferlegen. Aber ich bitte Sie, das Folgende freundlich nochmals zu erwägen: Wenn Sie an Ihre Schüler bei meinem Amts-Antritt zurückdenken, und <ihr> sie mit den heutigen vergleichen, so werden Sie in der Qualität derselben eine auffallende Verbesserung finden. Sie haben heute eine Klasse, in welcher Hochbegabte einen sehr bedeutenden Prozentsatz bilden, eine Klasse, an der Sie im Großen und Ganzen Freude haben können <und>, wie sie einer Künstlerin Ihres Ranges zukommt und wie sie sich schwerlich an irgend einem andern Institut wieder findet. Daß ich bei der (für Sie und Ihre Frl. Töchter) im Voraus fixirten Anzahl von Stunden nicht im Stande bin, Ihnen ausschließlich vorzügliche Schüler zu schicken, sondern daß auch Mittelgut mit unterläuft, ist natürlich und kann ich bei dem besten Willen nicht ändern. Eine Schülerin aber, wie Marta Herz, welche trotz ungünstiger Gründe von Frl Rothschild so weit gebracht werden <ist> konnte, ist gewiß nicht talentlos; sie hat Ihnen jedenfalls unter dem Druck großer Angst vorgespielt. Wenn nun einer solchen Schülerin der Uebergang in Ihre Klasse verschränkt werden soll, so wird für mich die Sache äußerst schwierig. Denn außer der directen Kränkung für Fräulein Rothschild, die in der Ablehnung liegt, tritt nun der Umstand ein, daß ich genöthigt werde, Frl. R. oder Uzielli einen von den weniger begabten jüngeren Schülern, die sie haben, u. welche sie selbst sehr wohl noch weiter fördern könnten (wie z. B. die kleine Lina Mayer) wegzunehmen und Ihren Frl Töchtern zu übergeben. Frl Marie hat selbst ausgesprochen, daß sie darin eine Härte fände; ich muß dies bestätigen u. hinzufügen, daß ich damit den anderen Lehrern jede Freudigkeit der Arbeit raube, aber ich müßte es, wenn ich nicht die Stunden bei Frl Marie oder Eugenie unbesetzt lassen wollte, was ich doch aus finanziellen Gründen nicht darf. Außer der gegenwärtig bei Ihnen unbesetzten Stunde wird noch eine zweite frei, die der Frl von Braun, welche ich auf unbestimmte Zeit, jedenfalls für den ganzen Sommer beurlauben muß. Es würde ihnen also möglich sein, Frl De Lara halb und Frl Herz halb in Ihre Klasse zu nehmen. Dann bleiben immer noch 2/2 Stunden bei Ihren Frl Töchtern frei, für die ich eine Schülerin schaffen muß und nur vielleicht schaffen kann. Darum bitte ich Sie, liebe Frau Schumann, nicht aus Rücksicht für mich, sondern aus Interesse für die Schule überhaupt und die jüngeren Collegen insbesondere Ihren Beschluß nochmals zu erwägen. Ich füge das Ersuchen hinzu, mir die Solostücke (ohne Begleitung) für die Prüfungsconcerte vorzuschlagen und verbleibe mit herzlichem Gruße
Ihr ergebener
Dr B Scholz

  Absender: Scholz, Bernhard (1392)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 16
Robert und Clara Schumanns mit Bernhard Scholz und anderen Korrespondenten in Frankfurt am Main / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller und Anselm Eber / Dohr / Erschienen: 2020
ISBN: 978-3-86846-027-8
190ff
 



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