20.11.2018

Briefe



Rückwärts
	
ID: 19657 Brieftext


Geschrieben am: 22.06.1881
 

Leipzig d. 22. Juni 1881.

Hoch verehrte Frau!

Unter den letzten Verfügungen unseres theuren heimgegangenen Vaters findet sich – in erster Linie nach den auf die Familie bezüglichen – die folgende: „Tausend Thaler an meine und meiner Bertha liebe Freundin, Frau Clara Schumann.“ Wir können diesen Wunsch unseres geliebten Vaters nicht erfüllen, ohne auszusprechen, welche lebhafte und ernste Freude uns gerade die Befolgung dieser Bestimmung verursacht, die der treuen Liebe und Verehrung, die der Entschlafene sein Leben lang für Sie edle Frau, hegte, einen letzten Ausdruck giebt – derselben Liebe und Verehrung, die er uns eingepflanzt hat und die in uns fortleben wird. Ihr Name ist aufs Engste verknüpft mit denjenigen großen Genien, die in unserm Haus ein Feuer angezündet haben, das nicht nur dieses selbst fort und fort mit hellem Licht und trauter Wärme erfüllt hat, sondern auch übertragen in die neugegründeten Heimwesen der Kinder, diese aufs Köstlichste schmückt und bereichert … Wir alle schließen unsere Gedanken in Dankbarkeit an das letzte Zeichen, das Ihnen unser geliebter Vater durch uns senden läßt und das – Sie wissen es wohl – eine Gabe edelster Art ist, so profan sich auch ihr Aeußeres darstellt, nämlich ein Gut in treuer, ernster Arbeit gewonnen und mit liebevollem Herzen ausgetheilt … Im Namen aller Geschwister und mit dankbaren Grüßen von ihnen
hochachtungsvollst
Prof. Dr. W. Voigt.

  Absender: Voigt, Woldemar (1634)
  Absender-Institution:
  Absender Ort: Leipzig
  Empfänger: Schumann, Clara, geb. Wieck, Clara (3153)
  Empfänger-Institution:
  Empfänger Ort:
  SBE: II.15, S. 192f.
 



Wir verwenden Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten (Mehr Informationen).
Wenn Sie auf unserer Seite weitersurfen, stimmen Sie bitte der Cookie-Nutzung zu. Ich stimme zu.