19.12.2019

Briefe



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ID: 19799 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 13.09.1866
 

Verehrte Frau.
Devrient ließ heute morgen eine außerordentliche Vorstandssitzung auf den Nachmittag ansagen. Da ich um 11.30 nach Baden reisen wollte, ging ich sofort zu ihm, ihn um Urlaub zu bitten, den er mir aber verweigerte, da die Sitzung von Wichtigkeit sei. So kann ich denn nicht einmal am heutigen Tage bei Ihnen sein was mir um so schmerzlicher ist, als es mir wahrhaft Bedürfniß ist, Ihnen Mancherlei zu erklären, was Ihnen an mir, der ich mich sonst frank und frei meinen Freunden zu geben gewohnt bin, aufgefallen sein mag. Ich sitze nun seit Monaten auf einem Isolirschemel; innere und äußere Erlebnisse haben mich tüchtig mitgenommen; Gott weiß, ob die Zukunft gänzliches Untergehen oder neues freudiges Leben bringt! Ihnen, verehrte Freundin, bin ich Wahrheit schuldig und werde sie Ihnen nicht vorenthalten; nur halten Sie, bis ich Sie gesprochen mit jedem Urtheil zurück!
Ich bin heute mit ganzem Herzen bei Ihnen. Gedenken Sie meiner ohne Groll! Sprechen Sie nicht über den Inhalt dieser Zeilen, bitte!
Immerdar Ihr getreuer
Hermann Levi.

Che. 13.9.66.

  Absender: Levi, Hermann (941)
  Absendeort: Karlsruhe
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 5
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Franz Brendel, Hermann Levi, Franz Liszt, Richard Pohl und Richard Wagner / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Thomas Synofzik, Axel Schröter und Klaus Döge / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2014
ISBN: 978-3-86846-016-2
487f.
 



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