15.07.2019

Briefe



Rückwärts
	
ID: 19820 Brieftext


Geschrieben am: 11.09.1870
 

Verehrte Freundin.
Seit fast 4 Wochen bin ich hier in Nancy Krankenwärter und Assistenz-Arzt. Nachgerade sehne ich mich, wieder andere Töne zu hören, als das Gestöhne Verwundeter: angenehmere und Freudenvollere. Als ich Ihnen vor meiner Abreise schrieb, dachte ich wahrlich nicht, daß ich Ihnen zum 13. Sept. zugleich mit meinem Geburtstagsglückwunsch auch einen Donnernden Siegesgruß senden könnte! Von Herzen drücke ich Ihnen aus der Ferne die Hand. Möge der herrliche Morgen, der nun über unser Vaterland hereinbricht, auch die dunklen Punkte im Leben des Einzelnen erhellen; möge es besonders Ihnen vergönnt sein, sich für alle Zukunft in ungetrübter Freude Ihrer Familie und Ihrer Kunst hinzugeben!
Ich erwarte täglich meine Rückberufung; es wäre, dächte ich, Zeit, die Instrumente hervorzuholen und einen Triumphmarsch anzuheben; daß es allen Völkern in den Ohren klingt und Ihnen für immer die Lust vergeht, sich in unsere Angelegenheiten zu mischen. Wenn uns nur Brahms etwas zur Eröffnung unsres Theaters schreiben wollte, einen Marsch oder Ouverture. Möchten Sie ihm, wenn Sie schreiben, eine Anspielung machen? Ich weiß seine Adresse nicht. –
Leben Sie wohl! Grüssen Sie Alle, die übermorgen um Sie versammelt sind! Getreulichst Ihr
Hermann Levi.

Nancy 11.9.70.

  Absender: Levi, Hermann (941)
  Absender-Institution:
  Absender Ort:
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfänger-Institution:
  Empfänger Ort:
  SBE: II.5, S. 561f.
 



Wir verwenden Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten (Mehr Informationen).
Wenn Sie auf unserer Seite weitersurfen, stimmen Sie bitte der Cookie-Nutzung zu. Ich stimme zu.