19.12.2019

Briefe



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ID: 19830 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 12.11.1871
 

Verehrte Freundin.
Ihr Geburtstags-Telegramm hatte bei den Zweisiedlern im Nass. Hof doppelt gehobene Stimmung zur Folge. Als ich meinen Brief schrieb, war ich im Glauben, es sei der 6. Nov, derselbe werde also erst am 8ten in Ihre Hände kommen. Als ich den Irrthum merkte, war ich recht ärgerlich, denn das sah ja fast wie eine Aufforderung aus! Da Sie mir nun aber sagen, daß Sie auch ohnedies mir Ihren Gruß gesendet hätte, so freue ich mich erst recht darüber und stimme von ganzem Herzen in Ihr „Wie vordem – so nachdem“ ein! – Was nun die Conzert-Angelegenheiten betrifft, so habe ich folgende Vorschläge zu machen: In Mannheim wird Montag, Mittwoch, Freitag gespielt. Conzert wäre nur Dienstag 12 oder Donnerstag 14 möglich. Letzterer Tag vorzuziehen, weil Dienstag Abend gewöhnlich Opernprobe und Orchester schwer zu haben. (Ich setze nämlich voraus, daß Sie immer lieber mit Orchester spielen, möchte deshalb auch hier auf unserem ursprünglichen Plan bestehen). Der Conzertverein in Mannheim schlägt Ihnen vor, folgenden Modus zu acceptiren. Es wird Ihnen ein Honorar von 300 fl. garantirt; das Orchester bekommt 100 fl; was über 400 fl. eingeht, wird (nach Abzug der sehr unbedeutenden Kosten) zwischen Ihnen und dem Orchester getheilt. Der Conzert-Verein hat den Saal umsonst, Sie müssten denselben miethen (ich glaube 50 fl.) Ich will diesen Vorschlag – in Anbetracht der 300 fl. nicht gerade befürworten, indessen stimmt Sie vielleicht die Mitwirkung des Orchesters und die Thatsache, daß Sie mit dem Arrangement etc. gar nichts zu thun haben, günstig für denselben. Jedenfalls wollen wir – ob mit oder ohne Orchester – bei dem 14ten für Mhm bleiben. Hier würde Ihr Conzert Montag den 11ten stattfinden. Nun wäre es gar schön, wenn Sie sich ausnahmsweise dazu verstehen wollten, am 12 oder 13ten in Heidelberg zu concertiren. Dann wäre unser Abonnements-Conzert Samstag den 16ten; Frau Joachim könnte dann auch das Schicksallied hören, ein paar Lieder singen (??) und Sie könnten mit ihr nach Cöln reisen. Ich möchte nicht gerne, daß Sie letzteres unsretwegen aufgäben. An einem Sonntag ist unser Abonnement-Conz. des Theaters wegen unmöglich.
Also entweder Montag 11 Carlsruhe
Dienstag 12 od. Mittwoch 13 Heidelberg
Donnerstag 14 Mannheim
Samstag 16. Carlsruhe.
Oder – Montag 11 Carlsruhe
Donnerst. 14 Mannh.
Samstag 16. (Heidelberg)
Montag 18 Carlsruhe.
Das Heidelberger Conzert wird Sie doch gewiß kaum anstrengen! Spielen Sie mit unserem Quartett das Quintett, was nur eines flüchtigen Durchspielens bedarf. Wollen Sie aber in keinem Falle zwei Tage hintereinander spielen, so verzichten wir lieber auf Ihr Mitwirken im Ab. Conzert, als daß Sie sich den Genuß eines Ihnen gewiß unbekannten Händel’schen Oratoriums versagen. Wenn Sie den Vorschlag des Mhmer Conzertvereins nicht annehmen, könnten Sie dort und in Heidelberg dasselbe Programm machen – die Reise dauert nur eine halbe Stunde – es wäre gar zu schön, wenn wir das Orchester-Conzert hier am 16ten haben könnten. Der 18te ist auch schon gar nahe an den Weihnachtstagen! Also müssen Sie, bitte[,] und sagen Sie mir bald Ihren Entscheid! Das Schicksallied möchte ich nicht gerne in Ihrem Concerte machen, weil die Mitwirkenden des Philh. Vereins dann freien Eintritt hätten. Wollen wir in Mhm und Heidelberg ein paar Ungarische zusammenspielen? – Nur für den Fall, daß Sie Conzerte mit Orchester mehr anstrengen, als ohne Orchester, würde ich auch für Carlsruhe auf letzteres verzichten. Sie dürfen aber überzeugt sein, daß sowohl für Sie als für Frau Joachim der geringste Musiker mit Freuden, und ohne an Honorar zu denken, mitwirkt. Wenn Sie meinen Vorschlag (11, 13, 14, 16) annehmen, darf ich wohl hoffen, daß auch Frau Joachim uns im Abonn. Conzert eine Nummer singt? Die Harzreise ginge freilich nicht, wegen des Schicksalliedes. Vielleicht dann aus Händels Saul mit Chor? (Die Klage um Jonathan?) Ziehen Sie Beide vor im Gasthause oder bei Bekannten zu wohnen? Lachner, Ladenburg, Wendt tragen sich mit Hoffnungen in dieser Beziehung. Ich will sehen, daß ich Ihnen hier im Theater etwas Nettes vorspielen kann. Für die Conzert-Abende in Mhm. und Heidelberg werde ich mich frei machen. An Frau Joachim viel Herzliches. Eigentlich sollte ich ihr noch extra schreiben, sie als Conzertvorstand in aller Form zur Mitwirkung in unsrem Abonn. Conzert einladen, aber mit dem Briefschreiben ist’s all so, as dat Ledder is und eigentlich war es ja wohl ausgemacht, daß Sie Beide zu zweien Concerten hierherkommen? – – Meiner Schwester geht es in den letzten Tagen wieder gar nicht gut; ich sehe mit Grauen dem Winter entgegen –
Nach mehrmaligem Durchlesen des obigen Geschäftlichen kommt mir Alles recht confus vor, da aber wohl der Kopf, nicht die Feder die Schuld trägt, mag es immerhin abgehen. – Die Karten werde ich besorgen.
Sperrsitz 1,45. Saalbillet 1,12. Gallerie 48 Kr. Soll Flügel von Erard auf die Zettel gedruckt werden?
Mit herzlichem Gruß an Frl. Marie. Ihr getreuer
Hermann Levi.

Carlsruhe 12.11.71.

  Absender: Levi, Hermann (941)
  Absendeort:
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 5
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Franz Brendel, Hermann Levi, Franz Liszt, Richard Pohl und Richard Wagner / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Thomas Synofzik, Axel Schröter und Klaus Döge / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2014
ISBN: 978-3-86846-016-2
583ff.
 

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