19.12.2019

Briefe



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ID: 19831 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 26.11.1871
 

Verehrte Freundin.
Ich habe ein paar Tage gezögert, weil ich eine Antwort vom Hofe auf eine Anfrage wegen einer Soirée abwarten wollte; noch aber ist mir Nichts zugegangen, und so habe ich denn Mittwoch 13 für Heidelberg festgesetzt. Ich werde meine Möglichstes thun, das Hof-Conzert, falls ein solches, was ich noch nicht bestimmt weiß, zu Stande kommt, auf den 15ten zu legen. Das a-moll Conzert bitte ich in Ihrem, das c-moll Beethoven in unserem zu wählen. Wollen Sie als zweite Nummer das h moll-Cappriccio (in Ihrem Conz.) nehmen, oder strengen Sie zwei Stücke mit Orchester zu sehr an? Wie viel Orchesternummern wünschen Sie in Ihrem Conzerte? Genügt eine Ouverture? Welche? Oder wollen Sie noch eine Schlussnummer? – So gerne ich die Harzreise von Frau Joachim hören möchte, so möchte ich doch nicht zweimal Brahms auf dem Programm haben, und bitte Frau Joachim zwischen Schicksallied und Harzreise zu wählen (NB. im Abonn.-Conzert). – Gestern hat mir Brahms das Hallelujah fertig zum Abschreiben geschickt. Es wird Palmsonntag hier aufgeführt. Wenn es möglich wäre, die Einfachheit eines Händelschen Werkes mit der Polyphonie eines Bach-schen sich vereinigt zu denken, so käme so etwas wie das Hallelujah heraus. Auf dem Gebiete der Kirchenmusik ist in diesem Jahrhundert nichts Größeres geschaffen worden. Nimmer hätte ich, bei allem Glauben an Brahms Zukunft, geglaubt, daß er solchen Flug nehmen werde. Die Zeit der „stillen Gemeinde“ ist vorüber; die erste größere Aufführung des Hallelujah wird auch dem großen Publicum endlich den Staar stechen. – –
In Heidelberg würde Deecke das Quintett spielen. – Die Prinzessin von Hessen ist, soviel ich höre nicht in Baden. – Meine Vorschläge in Betreff Ihrer Klavierkonzerte sind ganz unmaßgeblich; jede der von Ihnen vorgeschlagenen Nummern wäre mir recht; z. B. statt des h moll-Cappriccio das Webersche Conzertstück. Oder statt des a-moll ein Mozartsches. Für unser Conzert dagegen möchte ich das c-moll beibehalten. – Wenn Frau Joachim die Harzreise wählte, so bitte ich um umgehende Nachricht, weil ich die Stimmen noch kommen lassen muß. Ich stecke bis über die Ohren in Meistersinger Proben; am 3. Dez. Aufführung mit ganz neuem Personal. Der Kopf ist mir toll; entschuldigen Sie das Flüchtige von Handschrift und Styl. Mit herzlichem Gruß an Frl. Marie und Joachim’s.
Ihr getreuer
Hermann Levi.
Carlsruhe 26.

Wieviel Zimmer soll ich im Hotel bestellen?

  Absender: Levi, Hermann (941)
  Absendeort: Karlsruhe
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 5
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Franz Brendel, Hermann Levi, Franz Liszt, Richard Pohl und Richard Wagner / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Thomas Synofzik, Axel Schröter und Klaus Döge / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2014
ISBN: 978-3-86846-016-2
586f.
 

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