19.12.2019

Briefe



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ID: 19832 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 06.12.1871
 

Verehrte Freundin!
Ich dirigire morgen wegen Lachner’s Unwohlsein das Mannheimer Akademie-Conzert, hatte heute Vormittag dort Probe, und bin nur in Erwartung Ihrer Programme hierhergereist, um Alles zu ordnen. In einer Stunde muß ich wieder zurück nach Mannheim, deßhalb nur einige geschäftl. Zeilen.
Das Heidelberger Programm habe ich sofort dahin abgesendet.
In dem hiesigen hätte ich noch einige Wünsche.
1.) Frl. Schneider, unsre Primadonna, hat vor 3 Wochen Ah perfido gesungen – bitte deshalb Frau Joachim um eine andere Nummer,da ich Frl. Schn. nicht gern todt machen möchte.
2.) Statt Geheimes habe ich Aufenthalt gesetzt. Ersteres kürzlich von Stockhausen (mit Orchester) gesungen.
3.) Die Ungarischen möchte ich gar gerne auch hier haben. Das ginge nun folgendermaßen (vorausgesetzt, daß es Ihnen nicht zu anstrengend):
|2| 1.) Ouverture
2.) A-Moll-Conzert
3.) Kirchen-Arie
4.) Scherzo Chopin (oder Rondo cappriccioso ????)
5.) Arie
6.) Notturno
Gavotte
7. Lieder
8. Ungarische.
Eine Ouverture am Schluß kann ich nicht machen. Das Orchester hat am Tag zuvor (Sonntag) Meistersinger zu spielen und sind anderen Tages etwas müde. Auch zu Anfang muß ich ein leichtes Stück machen; vielleicht Rosamunde-Ouverture. Soll ich Ihnen für die Meistersinger Plätze reserviren? – Bitte, sagen Sie Ladenburg, daß das Schicksallied in 8 Tagen erscheinen wird. Ich bin gegenwärtig arg in Troubel, sonst hätte ich ihm selbst geschrieben.
Mein Telegramm sollte lauten: das Brahmssche Hallelujah wird in Düsseldorf aufgeführt. Wie käme ich zu solcher Ehre!? (des Dirigirens). In Ihrem Briefe kann ich ein Wort nicht lesen: „Bestellen Sie im Erbprinzen 1 Zimmer (nicht zu ??)“. Die Zimmer Angelegenheit etc ist übrigens selbstverständlich Orchestersache.
Es wäre mir lieb, wenn Sie die Stimmen des a-moll Concertes mitbringen wollten – ich glaube, ich besitze sie, kann aber jetzt nicht nachsehen. Macht es Ihnen Umstände, so sorge ich jedenfalls dafür.
Das Programm des Orchesterkonzertes verabreden wir hier.
Ich bin bis Freitag Mittag 12 Uhr in Mannheim Adresse Dr. Ladenburg. Wenn Sie Donnerstag Abend schreiben, bekomme ich den Brief noch; das wäre mir in sofern lieb, als ich etwaige Programm-Aenderungen noch in das Samstag erscheinende Tageblatt bringen könnte, dessen Satz aber schon Freitag 3 Uhr geschlossen wird. Aber nein, das ist mir doch zu unsicher.
Schreiben Sie besser direkt hierher.
Nun muß ich noch ein paar Gänge machen, und dann zur Eisenbahn. Herzlich grüßend
Ihr getreuer
Hermann Levi.

6.12.71

  Absender: Levi, Hermann (941)
  Absendeort: Karlsruhe
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 5
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Franz Brendel, Hermann Levi, Franz Liszt, Richard Pohl und Richard Wagner / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Thomas Synofzik, Axel Schröter und Klaus Döge / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2014
ISBN: 978-3-86846-016-2
589ff.
 



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