15.07.2019

Briefe



Rückwärts
	
ID: 19840 Brieftext


Geschrieben am: Montag 07.10.1872
 

Verehrte Freundin.
Vorgestern von der Reise zurückgekommen, erfahre ich von Allgeyer, daß Sie Mittwoch Baden verlassen werden. Wie gerne würde ich noch einen Tag mit Ihnen verplaudern! Aber ich darf es nicht. Jetzt erst spüre ich die Folgen einer in Neapel durchgemachten Krankheit; es geht zwar täglich vorwärts; aber ich muß mich doch sehr schonen, muß ruhen, schlafen, Kräfte sammeln. Auch aus anderen Gründen ist es besser so. Bitte theilen Sie mir mit, wenn Sie hier durchreisen; lassen Sie mich Ihnen inmitten des Bahnhofs-Durcheinanders die Hand drücken, und halten Sie sich nicht, wie Sie es vor hatten, hier auf! Ich habe jetzt nur eine Bitte an meine Freunde: mir über die Schwere des Abschieds hinwegzuhelfen. Mein Herz ist übervoll!
Was ich besitze, seh’ ich wie im Weiten –
Was mir verschwand, wird mir zu Wirklichkeiten! –
Mit innigem Grusse Ihr treu-ergebener
Hermann Levi.

Carlsruhe 7.10.72.

  Absender: Levi, Hermann (941)
  Absendeort:
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.5, S. 613
 



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