Verehrte Freundin.
Die Aufführung von Genoveva wird menschlicher Voraussicht nach am 12ten stattfinden. Auf Mittwoch den 15 ist eine Wiederholung,auf Freitag den 17ten Manfred angesetzt (auf der Bühne).
Zwischenhinein spielen wir Ihnen dann die Brahms’schen Quartette vor – kurz, ich denke, Ihr Aufenthalt hier wird in musikalischer Beziehung nicht mager werden. Werfen Sie nur für die Zeit alle Sorgen ab! – Schreiben Sie mir, wann ich Sie erwarten darf, und bringen Sie doch, wenn es irgend angeht, Ihre Kinder mit! Zumal Manfred wird Sie gewiß doch Alle interessiren. Auch meine Tante möchte ich gerne persuadiren; ich werde ihr morgen schreiben. Reden auch Sie, bitte, ihr zu!
Nun habe ich eine Bitte: Ich muß in den nächsten Tagen Material zu einer kurzen Lebensskizze von Brahms beischaffen, nicht etwa um sie drucken zu lassen, sondern für einen Zweck, der, wenn er gelingt, Brahms die allergrösste Freude machen wird. Leider muß ich einstweilen noch schweigen.
Möchten Sie nun mir umgehend mittheilen, an wen ich mich in Hamburg werden kann? Möchten Sie mir selbst einige Notizen und Daten über die Düsseldorfer Zeit aufschreiben? Wie ist die Adresse von Avé Lallemant in Hamburg? Wer könnte mir sonst noch dort Auskunft geben? Kann ich in irgend einem Conversations- oder Musik-Lexicon Etwas finden? Lassen Sie sich, bitte, die Sache angelegen sein! Brahms darf natürlich Nichts merken! –
Peters hat noch nicht geantwortet. Ich höre von Bernays, daß er zur Aufführung hierher kommen wird. Daß Sie das Recht haben, Textbücher zu drucken, ist zweifellos.
Auf baldiges, herzliches Wiedersehen!
Immer Ihr getreuer
Hermann Levi.
München 4 Oct. 1873.
Wen soll ich noch zu Genoveva einladen? Joachim, Stockhausen, Rudorff?? –
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