19.12.2019

Briefe



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ID: 19880 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 21.06.1878
 

Liebe Frau Schumann!
Wenn Sie meine Treppen nicht geniren – es sind 90 aber sehr bequem zu steigende Stufen – so wäre es doch am gemüthlichsten, Sie wohnten bei mir. Sie wissen, daß ich vollständig eingerichtet bin, Gäste bei mir zu haben, daß es mir gar keinen Embarras macht. Von der Freude, die Sie mir machen würden, will ich gar nicht reden, sondern nur von Ihrer Bequemlichkeit. Zwei weibliche Dienstboten sind zu Ihrer Bedienung da; Sie können ein Schlafzimmer und ein Wohnzimmer, oder zwei Schlafzimmer haben. Frau von Pacher ist nicht hier. Ich hoffe sicher, daß Sie annehmen werden. Haben Sie aber Gründe es nicht zu thun (welche, kann ich mir gar nicht denken) so würde ich Ihnen Hotel Marienbad vorschlagen. – Leider kann ich Ihnen im Theater gar Nichts bieten. Am Montag ist Siegfried, seit langem annoncirt, nicht mehr abzuändern. Das Werk nimmt unsre Kräfte so sehr in Anspruch, daß die darauf folgenden Tage Nichts gegeben werden kann. Soll ich Ihnen Plätze reserviren? Sie haben ja auch einmal Tristan angesehen, und Siegfried ist jedenfalls, was die Handlung betrifft, unterhaltender.
Die Aufführung als solche dürfte Sie jedenfalls interessiren. Bitte telegraphiren Sie mir. – Wegen der Reiseroute nach Gastein werde ich mich gleich erkundigen; ich glaube, Sie können es in einem Tage erreichen; der Schnellzug geht ganz bequem Morgens 9 Uhr.
Auf fröhliches, herzliches Wiedersehen. Mit vielen Grüssen an Ihre Damen
Ihr treuergebener
Hermann Levi

München. 21. Juni 1878.

  Absender: Levi, Hermann (941)
  Absendeort: München
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 5
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Franz Brendel, Hermann Levi, Franz Liszt, Richard Pohl und Richard Wagner / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Thomas Synofzik, Axel Schröter und Klaus Döge / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2014
ISBN: 978-3-86846-016-2
764f.
 

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