23.11.2019

Briefe



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ID: 19891 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 08.08.1879
 

Liebe Frau Schumann!
Das trifft sich wieder recht schlecht: Am 21ten ist Fidelio, am 23, 24, 26 und 28ten der Nibelungen-Ring. Erst in der darauffolgenden Woche – von Sonntag 31 an – könnten wir die ein oder andre von Ihnen bezeichneten Opern geben. Der Nibelungen-Cyklus ist bereits angezeigt. Ich meine höchst unmaßgeblich, Sie sollen sich ihn – trotz der bei Tristan gemachten Erfahrungen – anhören; d. h. mit Fidelio am 21ten anfangen. Wollen Sie dies aber nicht, oder passt es Ihnen mit der mit Volkland’s getroffenen Verabredung nicht, so kommen Sie erst am 31ten oder in der Woche nach diesem Sonntag, denn am 31ten selbst wird irgend eine Oper mit Nachbaur sein müssen, da Vogl nach dem Siegfried etc. ausruhen muss. Wie Sie auch bestimmen: ich bitte Sie, mir Ihre Entscheidung baldmöglichst mitzutheilen, nicht nur des Repertoire’s wegen, das wir gerne immer 14 Tage im Voraus bestimmen, sondern auch der Wohnungsfrage wegen. Die Gasthäuser sind jetzt alle überfüllt und unangenehm – ich werde nach einem Privat-Logis umschauen. Kann denn Frl. Marie wieder Treppen steigen? Daß Sie gar Nichts von ihrer Gesundheit schreiben, deute ich mir gut.
Im Nibelungen-Cyklus geht so viel Unterhaltendes auf der Bühne vor, daß Sie auf die Musik gar nicht zu hören brauchen. An der Aufführung an [sic] solcher würden Sie Freude haben.
Am 19 und 20ten ist Wallenstein-Trilogie in guter Aufführung.
Also etwa vom 19–29ten?
Wenn aber nicht, so werde ich für eine fette Woche Anfang September nach Kräften sorgen. Lenbach bleibt hier, und hat die ernstesten Absichten, ein grosses und schönes Bild von Ihnen zu machen.
Ich habe viel zu thun; im Nibelungen Ring waren mehrfach Neubesetzungen nöthig, und da ist immer die gleiche grosse Arbeit. Wir geben die Werke gegenwärtig einzeln, damit bei dem Cyklus keine Proben mehr nöthig.
Haben Sie die Daudet’schen Kleinigkeiten zusammen gelesen? Ich denke, Sie haben Plaisir dabei gehabt? Schade, daß zuletzt die Politik mitspielt!
Mit herzlichem Grusse an Frl. Marie
immer Ihr treuergebener
Hermann Levi.

München 8.8.79.

  Absender: Levi, Hermann (941)
  Absendeort: München
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.5, S. 806ff.
 

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