15.07.2019

Briefe



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ID: 19901 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 02.07.1880
 

Liebe Freundin.
Obgleich Sie mir Ihre Kundschaft als Wohnungsvermittler grausam entzogen haben – was mich aber nicht hindern wird, mit dem Marienbad-Wirth zu reden und die Zimmer vorher einzusehen – werde ich doch die Theaterbillet-Angelegenheit bestens besorgen. Sorgen Sie also gar nicht, sie werden in erster oder zweiter Reihe placirt. Ihr Anerbieten, für die Mustervorstellungen zu zahlen, wird Perfall, glaube ich, dankend annehmen; denn es ist diesmal wirklich eine Ausnahme; nicht einmal unsre eigenen Schauspieler haben freien Eintritt, auch nicht die Vertreter auswärtiger Zeitungen, noch Angehörige oder Vorstände fremder Bühnen. Also 8. Iphigenia 9. Julius Caesar 10 Emilia Galotti 11. Ausflug an den Starnberger See 12 Macbeth 13. Zerbr. Krug und Minna v. Barnhelm 14. Cabale und Liebe 15. Zauberflöte. –
Ich bin vorgestern mit meinem Vater hier angekommen. Mit meiner Gesundheit geht es viel besser. In Baden war ich 6 Tage, was mir sehr gut gethan hat. Aber die gute Tante ist recht alt und krank geworden, dabei immer in trüber oder gereitzer Stimmung – ich habe schweren Abschied genommen, denn mir ist als wenn ich sie nicht mehr wiedersehen würde – –
Lewinsky ist hier. Daß Volkm. die Correctur besorgt, ist mir ganz recht; wenn sie nur überhaupt gut besorgt wird.
Was meinen Sie nur mit den Worten: „ich möchte mich freuen, und wage es doch nicht“: einstweilen bin ich noch optimistisch genug, Sie nicht auf unser Wiedersehen zu beziehen. Ich sags ohne Reserve und in freudigstem Tone: Auf schönes, herzliches Wiedersehen.
Getreulich Ihr
Hermann Levi.

2. Juli 80.

  Absender: Levi, Hermann (941)
  Absendeort: [München]
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.5, S. 835f.
 



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