15.07.2019

Briefe



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ID: 19912 Brieftext


Geschrieben am: 15.02.1882
 

Liebe Frau Schumann!
Soll ich zanken, soll ich danken? Das ist ja gegen alle Verabredung! Indem ich Ihnen eine Gefälligkeit erwies, habe ich mir eine Freude gemacht, denn für jeden halbwegs ordentlichen Menschen giebt es keine höhere Freude, als einem Andern, den man gern hat, eine Freundlichkeit erweisen zu können. Und für dieses Bene, was ich mir angethan habe, soll ich noch von Ihnen belohnt werden? Ich bin wirklich tief beschämt, und wenn ich gar bedenke, in welchem Missverhältnis meine kleine Mühe zu dem grossen Stuhl steht, so könnte ich wirklich aus dem „D“ des danken ein grosses Z machen! Aber das hülfe doch Nichts, denn Sie würden sich nicht bessern, und nachdem ich einmal gekostet habe, wie angenehm es sich in dem Ungeheuerchen träumt, und wie alle Sorgen aus dem Kopfe und dem Herzen hinabgezogen werden in die Polsterung, und dort verschwinden, will ich gute Miene zum bösen Spiel machen; und so drücke ich Ihnen in Gedanken herzlich die Hand – besonders auch für die begleitenden lieben Zeilen – und erlasse mir und Ihnen alle weiteren Redensarten, indem wir Beide dies in unsern alten Tagen nicht mehr nöthig haben, sondern wissen wie wir daran sind! – –
Warum kommt denn Nichts mehr von Ihnen oder Härtel’s? Ich habe immer Zeit und verspreche raschste Erledigung. Wie haben Sie es mit dem zweifelhaften Baß im ersten Satze der d-moll gehalten?
Frau Fiedler erzählte, in München sei doch alles viel netter gewesen, als in Stuttgart, was mich sehr freute. Civilisirt sind die Leute hier zwar sehr wenig, aber dafür haben sie ein warmes Herz und sind von des Gedankens Blässe noch nicht angekränkelt. –
Concertprogramm werde ich Ihnen schicken. – Kürzlich war ich in Mannheim, aber nur 2 Tage, konnte nicht nach Frankfurt kommen. Frau Feidel fand ich über alle Erwartung zum Guten verändert, weil frischer (geistig) als im Sommer.
Und nun nochmals Dank und Dank und Dank – und tausend Grüsse Ihnen Allen
von Ihrem treuergebenen
Levi.

15.2.82.

Frau Mary’s Bild verspricht gut zu werden – wenn es überhaupt zu einem Bilde kommt, nicht bei der Skizze bleibt.

  Absender: Levi, Hermann (941)
  Absender-Institution:
  Absender Ort:
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfänger-Institution:
  Empfänger Ort:
  SBE: II.5, S. 856ff.
 



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