15.07.2019

Briefe



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ID: 19930 Brieftext


Geschrieben am: 05.08.1886
 

Liebe Frau Schumann!
Es war mir sehr leid, daß ich Frl. Marie nicht hier sehen konnte! In jedem der beiden Zwischenakte bemühte ich mich, sie zu entdecken, war auch in beiden Restaurationen, aber leider vergeblich. Nun bin ich sehr begierig zu hören, welchen Eindruck sie hatte! Ich kann mir kaum denken, daß sie unberührt geblieben wäre! Die Vorstellung war nach meiner Ansicht eine der besten, die wir je hier hatten. Nun, in München wollen wir darüber recht ausführlich, und ohne uns zu ereifern, reden. Ich reise unmittelbar nach der letzten Vorstellung ab, und bleibe dann in München. Habe dieses Jahr keinen Tag mehr der Erholung!
Noch habe ich Ihnen nicht einmal für die Briefe gedankt! Und nicht einmal den Dank von Frau Wagner übermittelt, welche nur bedauert, Ihnen nicht den gleichen grossen Dienst leisten zu können! – Allerdings haben mich die Krankheit und der Tod Liszt’s tief bewegt, wenn ich auch weder dem Künstler noch dem Menschen innerlich nahe gestanden habe. Auch darüber wollen wir in München einmal gründlich reden! – Nehmen Sie mit diesem kurzen, herzlichen Grusse vorlieb!
Sollten Sie sich – nach den Berichten von Frl. Marie – doch noch entschliessen, den Parsifal hier zu hören, so würde ich Alles gut besorgen, Billet, Wohnung etc.
Auf Wiedersehen in München oder hier!
In alter, treuer Ergebenheit
Ihr
Levi.

Bayreuth. 5.8.86

  Absender: Levi, Hermann (941)
  Absender-Institution:
  Absender Ort:
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfänger-Institution:
  Empfänger Ort:
  SBE: II.5, S. 889f.
 



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