15.07.2019

Briefe



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ID: 19931 Brieftext


Geschrieben am: 17.12.1886
 

Liebe Frau Schumann.
Morgen ist ein Festtag, den wir Beide gewiß mit gleichen Empfindungen der Freude und der Dankbarkeit feiern. So werden Sie, denke ich, gern dem beifolgenden Abbilde des grossen Künstlers und Menschen ein gutes Plätzchen in Ihrem Arbeitszimmer gönnen. Ich weiß nicht, warum diese – doch rein mechanische – Nachbildung auf mich immer den Eindruck eines erhabenen Kunstwerkes macht. Es liegt eine Verklärung, eine Ruhe über den edlen Zügen, vor der das Schreckhafte des Todes zurücktritt. – Je älter ich werde, desto inniger und zärtlicher wird meine Beziehung zu Weber, und da ich Ihrer Anregung die Kenntniß der rührenden Reisebriefe verdanke, so drängte es mich, diesem Danke (und noch manchem anderen für manches Andere) an dem morgigen Tage einen kleinen Ausdruck zu geben. Vielleicht spricht dabei auch ein wenig mein Bedürfniß mit, das Gemeinsame, was uns im Laufe unseres – uns leider so diametral auseinanderführenden Lebensganges noch geblieben ist, recht zu hegen und zu pflegen, um dadurch die große Kluft, die sich trauriger, aber doch wohl nothweniger Weise zwischen uns aufgethan, weniger fühlbar zu machen! –
Sein Sie in Liebe und Verehrung treulich gegrüsst von Ihrem
Hermann Levi.

München. 17.12.86

  Absender: Levi, Hermann (941)
  Absender-Institution:
  Absender Ort: München
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfänger-Institution:
  Empfänger Ort:
  SBE: II.5, S. 892f.
 



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