19.12.2019

Briefe



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ID: 19942 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 12.09.1894
 

Verehrte, liebe Frau Schumann!
Wenn es auch den Anschein hat, als ob unsre Lebenswege im Verlaufe der Jahre recht weit auseinandergegangen seien, so habe ich doch nimmer das Gefühl verloren, daß das was uns trennt das Zeitliche, Unwesentliche, und das, was uns dereinst zusammengeführt hat, das Ewige, Wesentliche sei. Und in diesem Gefühle bin ich kürzlich durch den Besuch Ihrer Tochter Elise, die ich in 27 Jahren nicht gesehen hatte, so recht bestärkt worden: es war mir, als ob ich sie erst gestern gesprochen hätte, und ich empfand auf das Deutlichste, daß Zeit und Raum nur Vorstellungen unsres armseligen Gehirns sind, und daß hoch über allem Trennenden des Lebens etwas Unzerstörbares, Ewiges waltet.
Darf ich Ihnen, verehrte Frau, aus dieser Empfindung heraus zu Ihrem morgigen Geburtstage einen innigen Gruß senden, und werden Sie ihn freundlich annehmen?
In alter, treuer Verehrung und Ergebenheit
Ihr
Hermann Levi.

München 12.9.94.

  Absender: Levi, Hermann (941)
  Absendeort: München
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 5
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Franz Brendel, Hermann Levi, Franz Liszt, Richard Pohl und Richard Wagner / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Thomas Synofzik, Axel Schröter und Klaus Döge / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2014
ISBN: 978-3-86846-016-2
916
 

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