19.12.2019

Briefe



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ID: 20614 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 25.11.1886
 

Frankf. d. 25 Nov. 86.

Lieber Herr Scholz,

hier ist der Brief zurück. Ich würde Niemanden, dem ich wohl wollte, also überhaupt Niemanden, dorthin empfehlen. Erstens verlangt die Dame 5 Stunden täglich an ein und dieselbe Person – können Sie sich vorstellen, wie man das Jahr aus Jahr ein aushält? dann 1/2 St. Deutsch, woraus ja ganz natürlich eine Ganze wird, – von dem, was sie sonst noch verlangt an Vorspielen, ect. (Gäste unterhalten) – weiß man nichts. Sie thut groß mit dem Versprechen, daß das Fräulein, nach sechs gegebenen Stunden freye Zeit für sich habe, spricht kein Wort von der Stellung die der Dame in ihrer Familie einräumt. Ueberhaupt, was hat der Mensch noch für Kräffte für seine eigne Fortbildung wenn er 6 Stunden gegeben? – Die Frau will Jemand haben, den sie recht ausnützen kann. Man würde sein eignes Kind doch nur so weit fortschicken, wenn man genau die Verhältnisse der Familie kennte, u. für Dasselbe einen gemüthlichen Anhalt voraussähe, und dann in der glücklichsten Lage gäbe es für Dasselbe noch immer der schweren Stunden genug. Ach Nein, empfehlen Sie ihr Niemanden.
Verzeihen Sie, aber der Brief hat mich durch seinen kalten, rein geschäfftlichen Ton, förmlich aufgeregt.
Herzlich
Ihre
Clara Schumann.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Scholz, Bernhard (1392)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 16
Robert und Clara Schumanns mit Bernhard Scholz und anderen Korrespondenten in Frankfurt am Main / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller und Anselm Eber / Dohr / Erschienen: 2020
ISBN: 978-3-86846-027-8
183f.
 



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