19.12.2019

Briefe



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ID: 20828 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 03.08.1839
 

Fräulein Clara Wieck Wohlgeb. Paris
M. Fr.

Ich fühle mich in ergebenster Beantwortung Ihrer verehrten Zuschrift vom 27 d vor. M. verpflichtet, auch Ihnen die Versicherung zu geben, daß ich zu Erreichung Ihrer und Hrn Sch. Wünsche alles thun werde, was in meinen Kräften steht. Leider reichen aber diese nicht so weit, daß ich <Ihnen> die Nothwendigkeit des persönlichen Zusammentreffens <>mit Ihrem Herrn Vater vor Gericht von Ihnen abwenden könnte. Die <Vors> beym hiesigen AppellationsGericht <eingereicht> <> in Ihrem Namen u. für H Schumann eingereichte Vorstellung, welche deren Bescheid Ihnen wohl in Abschrift mitgetheilt <hat> worden ist, hat den Beschluß des Gerichts veranlaßt, daß zuvörderst der Versuch der Versöhnung zwischen Ihnen und Ihren Herrn Vater vor der OrtsGeistlichen, dem hiesigen <>Superintendent gemacht werden soll. Hierdurch, wogegen sich nichts unternehmen läßt, werden allerdings die persönlichen <Zusam> Termine vermehrt und ich bin nicht so sehr Jurist, daß mir mein eigenes Gefühl nicht sagen sollte, wie ergreifend und unangenehm solche <>Scenen zwischen Vater und Kind seyn müssen. Die Hoffnung, Ihren Herrn Vater zur Einwilligung zu Ihrer Verbindung mit H. Schumann in Güte zu bewegen, scheitert an seiner entschiedendsten Erklärung, die er auch gegen mich ja ausgesprochen hat, daß ich an einer gütlichen Auseinandersetzung wenigstens vor jetzt völlig zweifeln muß. Meine Pflicht erfordert es, Ihnen alles mitzutheilen, was der Gang eines auf Erlangung des väterlichen Consenses zur Vereheligung gerichteten <>Processes mit sich bringen wird. Zuerst ist Ihre persönliche Anwesenheit zu den Terminen, deren mindestens zwey statt finden werden, unerläßlich. Rücksichtlich Ihres hiesigen Aufenthalts würden Sie vor den väterlichen Ansprüchen vorzüglich dadurch geschützt seyn, wenn Sie in Begleitung Ihrer Frau Mutter aus Berlin sich hier aufhalten, zu welcher Begleitung, wie mir H. Schumann sagte, dieselbe bereit ist. Wie lange Ihr Aufenthalt allhier nothwendig ist, kann ich mit Bestimmtheit nicht versichern, Wochen können wenigstens vergehen, denn es hängt alles davon ab, wie weit Ihr H. Vater seinen Widerspruch treiben wird. Der erste Termin findet <>bey dem Superintendent statt und es müssen dabey Sie, Herr Schumann und Ihr Herr Vater persönlich erscheinen. Ein zweytes ebenfalls <>persönliches Erscheinen findet dann, wenn bey dem Geistlichen eine Vereinigung nicht zu Stande gekommen ist, vor dem Appellationsgericht, dessen weltlichen und geistlichen Räthen, statt. Bey beyden Gelegenheiten wird den Partheyen allseitig zugeredet, dem Vater, daß er von seinem <unbegründeten> Widerspruch abstehe, den Kindern, daß sie es noch <in Geduld> weiter versuchen, den Vater <durch> zu versöhnen und <>vorläufig noch die angestellte Klage zurücknehmen. Findet keines Eingang und werden die Widersprüche des Vaters nach erfolgter Prüfung für unbegründet erachtet, so erfolgt denn der Consens Seiten des Appellationsgerichts. Ob noch mehrere Termine statt finden werden, kann ich wie gesagt im voraus nicht bestimmen; den Antrag auf Verhör bey dem Superintendent kann ich nicht eher einreichen, bis ich weiß, wenn Sie hier einzutreffen gedenken, und dann könnte vielleicht Verzug auch noch eintreten, wenn Ihr H Vater um <vielleicht> die Sache zu verzögern vielleicht verreiste, oder aus sonst einer Ursache nicht erscheint. Hiermit glaube ich Ihnen alles gesagt zu haben, was <>Sie im Fortgange des Prozesses hier zu erwarten haben. Wohl fühle ich, daß Ihnen schweres bevorsteht, und glaube ich auch die Nachtheile beurtheilen zu können, die die <>Entfernung von Paris Ihnen zuziehen wird, allein Ihr persönliches Hierseyn ist unerläslich, wenn die Sache <>Fortgang haben soll. Herr Schumann wird Ihnen heute ebenfalls schreiben, ich habe ihm gesagt, daß ich Ihnen unmittelbar antworten würde. Was Sie nun beschließen werden, darüber sehe ich Ihrer gefälligen Anweisung entgegen und versichere Ihnen nochmals, daß ich alles anwenden werde, um Ihnen den Weg zu Erreichung Ihrer Wünsche zu bahnen, den Sie als den rechten zweckmäßigsten bestimmen.
Hochachtungsvoll und ganz ergebenst
AdvEt.

Leipzig am 3 Aug 1839.

  Absender: Einert, Wilhelm (414)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Wieck, Clara, verh. Schumann, Clara (3152)
  Empfangsort: Paris
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 19
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Korrespondenten in Leipzig 1828 bis 1878 / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller und Ekaterina Smyka / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2018
ISBN: 978-3-86846-029-2
369ff.
 

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