19.12.2019

Briefe



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ID: 20911 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 21.09.1878
 

Der Obmann des
Freien Deutschen Hochstiftes
für Wissenschaften, Künste und allgemeine Bildung in
Goethe’s Vaterhause zu Frankfurt a. M.

Frau Clara Schumann
Lehrerin am Dr. Hoch’schen Conservatorium dahier.
Frankfurt a/M 21/IX. 1878.

Hochzuverehrende Frau!

Von der Genossenschaft, welche zu vertreten ich die Ehre habe, bin ich beauftragt, die hohen Lehrmeister, welche berufen sind, an dem morgen zu eröffnenden Dr. Hoch’schen Conservatorium1 zu wirken und eine neue Entwicklung der herrlichen Tonkunst in unserer Mittelstadt Frankfurt anzubahnen, |2| anzubahnen, verehrungsvollst zu begrüßen und zu beglückwünschen!
Unsere Vereinigung wagt es, an Sie, hochverehrte Frau – gleichzeitig mit Herrn Director Raff und Herrn Professor Stockhausen – die ergebenste Bitte zu richten, gütigst gestatten zu wollen, daß wir Sie als Ehrenmitglied in die Meisterschaft des Freien Deutschen Hochstiftes aufnehmen. Sie werden durch freundliche Genehmigung dieser Bitte nicht allein ein stets hochwillkommener Gast, sondern thatsächlich Miteigenthümerin unseres ehrwürdigen Stiftshauses, der santa casa des Deutschen Volkes, zugleich Genossin eines weit verbreiteten Bundes von geistig strebsamen Männern und Frauen, welche sich die Erhöhung unseres Volkes in Goethe’schen |3| schen Sinne und Geiste, durch Pflege von Wissenschaften, Künsten und, was das Höchste ist, allgemeiner Bildung, zur Aufgabe gestellt haben. Durch obige Ernennung wünschten wir, Ihnen, hochgeehrteste Frau, unsere Bewunderung Ihrer Kunstleistungen, unsere Verehrung Ihres hohen Geistes, auszusprechen, zugleich aber der allgemeinen Theilnahme einen Ausdruck zu geben, mit welcher alle Freunde der veredlenden Tonkunst die Eröffnung der neuen Anstalt begleiten. Mir aber gewährt mein bescheidenes Amt das beglückende Vorrecht, Ihnen, hochzuverehrende Frau, bei Übermittlung beifolgender Urkunde als der Erste meine freudigen Glückwünsche darbringen zu dürfen. Gestatten Sie huldreichst, daß ich mir erlaube |4| erlaube, dieselben zu begleiten mit dem Ausdrucke innigster Hochachtung, mit welcher verehrungsvollst verharrt
Ihr
ergebenster
Dr. G H Otto Volger gen. Senckenberg Mr FDH.
d. Z. Obmann.

[Beilagen]
[1]
Freies Deutsches Hochstift an Clara Schumann in Frankfurt am Main
Frankfurt am Main, Sonntag, 15. September 1878
Das Freie Deutsche Hochstift
für
Wissenschaften, Künste und allgemeine Bildung
in
Goethe’s Vaterhause
Frau Clara Schumann geb. Wieck
Tonkünstlerin und Lehrerin
am Dr. Hoch’schen Conservatorium
Frankfurt a/M
Frankfurt a. M., den 15. Herbstmonates 1878

Hochgeehrteste Frau!

Indem wir uns beehren, Ihnen, mit Beziehung auf Satz 31 unserer beifolgenden Satzungen, hierdurch ergebenst anzuzeigen, daß Sie, auf den Vorschlag der Meisterschaft, in offener Sitzung zum Meister des Freien Deutschen Hochstiftes ernannt worden sind, ertheilen wir Ihnen hiermit die Rechte eines Solchen, ersuchen Sie |2| verehrungsvollst, dieselben, zur Ehre der geistigen Hoheit unseres Volkes, anzunehmen, und bitten Sie zugleich, Sich insbesondre in dem von Ihnen mit so großem Erfolge gepflegten Gebiete der Tonkunst kräftigst an der Thätigkeit des Freien Deutschen Hochstiftes zu betheiligen.
Die Verwaltung des Freien Deutschen Hochstiftes
Dr. G H Otto Volger gen. Senckenberg Mr FDH.
d. Z. Obmann.
Dr Adolf Petermann M. F. D. H.
d. Z. Verwaltungsschreiber.
Zerle
Schriftführer.

[2]
Freies Deutsches Hochstift an Clara Schumann in Frankfurt am Main
Frankfurt am Main, Sonntag, 15. September 1878 (Urkunde)
Wer soll Lehrling sein?
Jedermann!
Wer soll Geselle sein?
Wer was kann!
Wer soll Meister sein?
Wer was ersann!
(Goethe.)
Das Freie Deutsche Hochstift
für
Wissenschaften, Künste und allgemeine Bildung
in
Goethe’s Vaterhause
zu
Frankfurt am Main,
gestiftet
im Namen der geistigen Einheit des Deutschen Volkes zur Jahrhundertfeier der Geburt
Schiller’s
auf Grund seiner genehmigten Satzungen mit den Rechten einer Körperschaft bekleidet durch Beschluß hohen Rathes der Freien Stadt Frankfurt vom 30. des Weinmonates 1863
hat auf den Antrag seiner Ehrenmitglieder und Meister in offener Sitzung ernannt und erklärt zu seinem
Ehrenmitgliede und Meister
Dich
Clara Josephine Schumann geb. Wieck
in
Frankfurt a. M.
Durch diese Ernennung haben wir Dein Wirken und alle Deine Verdienste eintragen wollen an geheiligter Stätte in das
Buch der Ehren unseres Volkes, dessen höchster Stolz und Ruhm besteht in Thaten des Geistes, in der Veredlung der Menschheit durch Wissenschaften, durch Künste und allgemeine Bildung.
Gegeben im Goethehause zu Frankfurt a. M. den 15. Herbstmonates 1878
Namens der Verwaltung
Dr. G H Otto Volger gen. Senckenberg Mr FDH.
d. Z. Obmann.
Dr Adolf Petermann M. F. D. H.
d. Z. Verwaltungsschreiber.
Zerle.
Schriftführer.

  Absender: Volger, Otto (1638)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 16
Robert und Clara Schumanns mit Bernhard Scholz und anderen Korrespondenten in Frankfurt am Main / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller und Anselm Eber / Dohr / Erschienen: 2020
ISBN: 978-3-86846-027-8
1098-1102
 



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