19.12.2019

Briefe



Rückwärts
	
ID: 20935 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 22.11.1860
 

Geehrter Herr Stern,
hierdurch beabsichtige ich nur Ihnen mein Motiv mitzutheilen, wenn ich dem Frl. Borchard für ihre Mitwirkung nicht danken kann. Dieselbe hat mir einen so ungehörigen, ungebildeten Brief geschrieben, daß von einem Worte meinerseits keine Rede mehr sein kann. Hätte ich ahnen können, daß, statt für eine Ehre, sie es für ein Opfer erachtete in meinem Concerte zu singen, so hätte ich ihr dies nie zugemuthet.
|2| Noch möchte ich erwähnen, daß, sollten Ihnen die Balconbillets für Ihre Schüler nicht genehm gewesen sein, wie ich aus einer Aeußerung des Frl. Borchard fast vermuthen muß, so that ich nur, was an allen Conservatorien anderer Städte Gebrauch, in Leipzig, Wien, Cöln ect. überall haben sie ihre Plätze oben – gehen sie wirklich aus Interesse an der Kunst in’s Concert, so ist es ihnen wohl auch einerlei, wo sie sitzen.
|3| Uebrigens bedurfte es nur eines Wortes von Ihnen, um gern Ihren Wunsch zu erfüllen, wenn Sie die Plätze unten wünschten.
Indem ich Sie, wie die Ihrigen freundlich grüße, verbleibe ich
Ihre
ergeb
Clara Schumann.
D. 22 Nov. 1860
|4| NB. Noch habe ich vergessen Ihnen zu sagen daß ich Frl. Borchard die gewünschten Billets gern gegeben haben würde (denn wahrhaftig, mir kann noch Niemand nachsagen, daß ich damit geitzte) hätte sie sie in anständiger Weise verlangt und nicht als ein Recht beansprucht.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Stern, Julius (1546)
  Empfangsort: Berlin
  SBE: II.17, S. 693f.
 

Fehlerbeschreibung*





Wir verwenden Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten (Mehr Informationen).
Wenn Sie auf unserer Seite weitersurfen, stimmen Sie bitte der Cookie-Nutzung zu. Ich stimme zu.