19.12.2019

Briefe



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ID: 21046 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 06.08.1891
 

Berchtesgaden 6. 8. 91 Pension Moritz.

Liebstes Liesel,

Nur ein Paar Worte des Dankes für Ihre lieben Karten, u. der Freude vor allem, daß es Ihnen wieder so viel besser geht, welch ein Glück für Sie u. Alle, die Sie lieben! <>In München haben wir viel mit dem lieben Hildebrand von Ihnen gesprochen, u. ich danke Ihnen sehr, daß Sie mir<> seine Adresse mitgeteilt hatten; so konnte ich ihn doch gleich sehen, u. durch ihn den lebensgroßen Entwurf seines Brunnens, der uns mit Bewunderung erfüllt. Wie herrlich, daß nun Deutschland auch einmal ein<> <>so wundervolles Monument von einem Deutschen erhält, u. wie schön ist der Platz dazu gewählt! Wir hatten mit H. noch eine sehr gemüthliche Abendstunde; wie erquickend ist es, mit einem Künstler, den man so hoch verehrt, so gemüthlich verkehren zu können. Ich freue mich schon, im Herbst ihn wieder zu sehen. Was werden Sie wol denken, daß ich Ihnen über das Requiem noch nichts geschrieben, ich konnte es aber noch nicht weiter bringen, als bis zum dritten Satz, weil ich immer zu unwohl war, u. hier kein Klavier selbst habe. Linde’s, unsre Nachbarn, haben uns das ihrige zur Benutzung angeboten, ich kann aber so wenig gehen, daß ich noch nicht bis zu ihnen kam. Brahms sandte mir auch 5 neue Lieder für 4 Solostimmen, die ich auch gern kennen lernte! Von den zwei Sätzen des Requiems gefiel mir der zweite besonders. Nun wird es doch noch ein zweites Blatt; aber ich muß Ihnen doch noch auf Ihre Äußerungen über Fiedler’s etwas sagen. Ich weiß nicht, wie Diese darauf kommen, als habe ich meine Gesinnung gegen sie geändert; ich kann Ihnen aber versichern, daß dies nicht der Fall ist, sie sind mir jetzt noch eben so lieb wie früher. Sie, oder sie (Fiedlers) meinen, ich möge sie nicht mehr wegen ihrer Wagnerschwärmerei; für mich<> aber als Künstlerin kann solch eine Schwärmerei von <>Laien doch von gar keinem Gewicht sein, ich beurteile diese nur als eine Modesache und eine Wirkung persönlicher Einflüsse grade bei Fiedlers. Sind Künstler so fanatisch, dann stimmt es mich freilich ernst u. entfremdet sie mir.
Nun leben Sie wohl u. lassen Sie mich wissen, wenn Sie Nauheim verlassen u. wo Sie sind? Grüßen Sie die liebe Mama u. Ihren theuren Mann. Alles Gute für Sie von Ihrer
altergeben[en]
Clara Schumann

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Berchtesgaden
  Empfänger: Herzogenberg, Elisabeth von (691)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 15
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit den Familien Voigt, Preußer, Herzogenberg und anderen Korrespondenten in Leipzig / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller, Ekaterina Smyka / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2016
ISBN: 978-3-86846-026-1
760ff.
 



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