25.02.2022

Briefe



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ID: 21098
Geschrieben am: Sonntag 04.08.1861
 

Kreuznach d. 4 Aug. 1861

Liebster Freund,

1000 Dank für Ihren lieben Brief, der mir die herzlichste Freude gemacht, und, daß ich Sie nun bald sehen soll, ist mir das Allerliebste! jetzt fange ich wirklich entschieden an mich auf die Schweiz zu freuen – Sie wissen, <d> je schöner die Natur, desto mehr bedarf ich eines lieben Freundes um mich, soll ich reine Freude daran haben können – <> die liebste Freude aber, das wissen Sie ja auch, habe ich nur Zwei! – Ich verlasse Kreuznach am 10ten Aug., gehe dann nach Heidelberg, um dort mit einem Bruder, den ich seit 20 Jahren nicht gesehen, zusammenzutreffen und am 12ten wohl nach Luzern. Jedenfalls schreibe ich Ihnen von dort aus gleich meinen Aufenthalt nach Antwerpen, wo ich Sie ja
vom 16–20ten zu finden weiß – doch wohl bei Herrn Rymenans? Aber Johannes reden Sie doch nicht zu mitzukommen, er arbeitet jetzt sehr fleißig, befindet sich in seiner Sommerwohnung in Ham so zufrieden und glücklich, daß ich überzeugt bin, ließe er sich auch bereden mitzugehen, wir an Ihm nicht die heitere Gesellschaft hätten, die er Einem sein kann, ist er in guter Laune. Er würde immer denken, was er in der Zeit zu Hause hätte arbeiten können, und das verstimmte Ihn sicherlich. Er hat mir neulich Einiges, theilweise Wunderschönes, geschickt, nur brauchte er es gleich wieder, weil Dietrich Ihn besuchte, so daß ich die Sachen nicht so genau konnte kennen lernen, wie ich es gewünscht hätte. Sie wissen ja, wie Einem die Sachen so immer mehr an’s Herz wachsen. Ihre schönen Mittheilungen haben mich so sehr interressirt – wären Sie es nicht, ich könnte Sie beneiden um die schönen Tage im Harz. Wie gern möchte ich wohl mal länger mit Grimms sein, und wie gern hätte ich die Freude der armen Marie Hoffmeister gesehen! wie war es so herrlich, <s> daß Sie Ihre Geige mitgenommen hatten! innig hat mich das gefreut. Jetzt aber Adieu, mein lieber Joachim. Hoffentlich bald in der Schweiz.
Getreuest
Ihre
Cl. Sch.

Grüßen Sie Scholzens sehr, lassen Sie Sich von Wüllner über die Messe erzählen – ich bereue es nicht, deshalb nach Aachen gegangen zu sein. Wie wundervolle Klänge sind da drinnen, welch ernste tief ergreifende Stimmung!

Alle hier grüßen Sie herzlichst! –

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Kreuznach
  Empfänger: Joachim, Joseph (773)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
619f.

  Standort/Quelle:*) D-Zsch, s: 6416-A2
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 



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