19.12.2019

Briefe



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ID: 21120 Brieftext


Geschrieben am: Montag 16.04.1894
 

MYLIUSSTRASSE, 32,
FRANKFURT A. M.
D. 16 April 94.

Lieber Joachim,

ich muß so viel an Sie und Herzogenberg denken, Sie haben Beide einen so schweren Verlust erlitten! und so ganz unerwartet kam der Schlag! wie hart für die Familie, für Sie, (Sie waren doch Beide wohl seine intimsten Freunde) und welcher Verlust für die Kunst und für die Hochschule! – Ach, es ist zu schrecklich, wenn uns theuere Menschen so plötzlich entrissen werden. Die arme Familie, wie tief gebeugt mögen sie Alle sein! – Antworten Sie mir nicht, lieber Joachim, Sie werden Herz u. Kopf so voll haben, nur, wenn ein Gedanke von Ihnen ’mal bei mir verweilt, dann denken Sie, wie tief ich mit Ihnen diesen schweren Verlust empfinde! – Eugenie ist jetzt bei uns – sie erzählte uns, wie liebenswürdig Sie <> mit ihr waren, wie Sie sie ermuthigt haben zum Spielen. Haben Sie Dank, Sie haben Gutes damit gestiftet, Eug. geht jetzt viel sicherer mit den Tasten um, ist nicht schüchtern – wie freut mich das! – Nach einiger Zeit lassen Sie mich ’mal von sich hören! ach, daß man sich so selten sieht, und sich einst doch so nahe stand! –
In alter Treue
Ihre
Cl. Sch.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Joachim, Joseph (773)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
1464f.
 



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