19.12.2019

Briefe



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ID: 21592 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 04.02.1894
 

Frankfurt a/M d. 4 Febr: 94

Lieber Herr Speyer,
wie sehr stehe ich in Ihrer Schuld, Sie wissen aber ja, wie vieles immer an mich herantritt und verzeihen mir gewiß, wenn ich erst jetzt für Al-les, die guten Wünsche, das schöne Buch, danke. Möge auch Ihnen das neue Jahr nur |2| Gutes bringen, besonders auch Sie sich in Ihrem neu-en Heim fort behaglich fühlen. Ich hätte nie geglaubt, daß Ihnen das Landleben so zusagen würde. Sie haben aber auch viel Verkehr – ganz einsam würden Sie es auf dem Lande doch nicht aushalten! –
Sehr interessiert hat mich was Sie mir über Borwick schrieben – von verschiedenen Seiten hörte ich eben so über ihn sprechen, kürzlich |3| auch von Joachim.
Sehr leid war es mir daß B. nicht hier in der Kammermusik spielte, wollte er es nicht für den geringen Preis thuen, so hätte er es gratis thuen sollen. Er kann von den Frankfurthern, überhaupt von den Deut-schen, jetzt noch nicht erwarten, daß sie ihn kennen, und sollte daher so viel wie möglich in Deutschland concertiren, ob mit, oder ohne Hono-rar, ist gleich! die hohen Honorare |4| kommen schon, sobald B. be-kannt ist und reüssiert hat. Daß er ein Liebling des engl Publikums ist, das wissen sie hier nicht. Nun, ich hoffe, er kommt nächsten Winter, dann aber muß er sich so einrichten, daß er überall sich etwas aufhält, sich auch persönlich Freunde erwirbt, was er ja leicht kann, wenn er von seiner Bequemlichkeit etwas abgeht. – Herzlichst freut mich sein Fortstreben, |5|| und daß er sich vom Beifall es Publikums nicht ein-schläfern läßt, sondern höher und höher strebt. Wie freut mich daß der theuere Kufferath ihn so gern gehört, vielleicht dabei, ab und zu, auch ‘mal meiner gedacht hat! –
Ich weiß so gar nichts Näheres mehr über die ganze liebe Familie Kufferath, und lebte doch so gern im Geiste mit ihnen fort! – Wenn An-tonie mal etwas Zeit hat, bitte ich sie herzlich |6| mir ‘mal einige Mitt-heilungen zu machen über Ihre Kinder.
Wir haben hier viel Trauriges, Stockhausens, junge Frau Pfalz[?] – es ließen sich Lagen schreiben, aber solche Dinge bespricht man lieber mündlich.
Mir geht es ganz leidlich, nur das Gehörleiden ändert sich nicht, und so gehe ich weder in Concerte noch Theater, höchstens ‘mal um da ge-wesen zu sein. Nun nehmen Sie mit Frau und Kindern [am linken Rand] die herzlichsten Grüße von Marie und Ihrer ergebensten
Clara Schumann

[Am linken Rand S. 5] fürchte der Frau Kufferath mit Briefen beschwer-lich zu fallen.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Speyer, Eduard (2981)
  Empfangsort: Shenley / Herts
 



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