19.12.2019

Briefe



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ID: 21650 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 30.12.1884
 

Frankfurt, den 30. Dezember 1884.
Liebes Fräulein!
Nehmen Sie den herzlichsten Dank für Ihren lieben Blumengruß diesen Morgen, und die denselben begleitenden Worte, die mich so innig erfreut; könnten doch Ihre Wünsche helfen, es ginge mir dann besser, als es mir geht. Leider will sich mein Armleiden noch gar nicht bessern, zuweilen fühle ich es einmal einen halben Tag leichter, daß ich denke, nun wird es besser, dann plötzlich tritt es wieder mit aller Heftigkeit auf. An Spielen ist nicht zu denken; und ich mußte einer [sic] erneute Aufforderung in Leipzig wieder abschlägig beantworten, ebenso hier absagen. Sie sehen aus alle diesem, wie ungerecht die Vermuthung einiger Leute ist, die mir nachgesagt, ich sei mißgestimmt gewesen, und deshalb nicht
nach Leipzig gekommen. Hätte ich mich doch, wäre dies der Fall gewesen, selbst der großen Freude, bei dem Feste mitzuwirken, beraubt! Dann aber, wer mich kennt, weiß, daß ich, wäre ich wirklich mißgestimmt gewesen, es offen gesagt hätte. Ich bin die Leidende, und habe auch noch den Schaden! So geht es in der Welt.
Nehmen Sie mit Ihrer lieben Freundin meine herzlichsten Gegenglückwünsche zum neuen Jahre. – Möchte Ihnen dasselbe nur Gutes bringen!
In alter, treuer Gesinnung
Ihre
Clara Schumann.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Wendt, Mathilde (1688)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 14
Briefwechsel Clara Schumanns mit Mathilde Wendt und Malwine Jungius sowie Gustav Wendt / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2011
ISBN: 978-3-86846-025-4
97f.
 



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