15.07.2019

Briefe



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ID: 21665 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 08.12.1885 bis: 09.12.1885
 

Frankfurt a/m. 8. 12. 85.
Liebes Fräulein!
Nehmen Sie meinen innigsten Dank für Ihre freundlichen Bemühungen u. guten Rath. Wir werden seiner Zeit vor Allem suchen, dem Ferdinand die Erziehung der Knaben zu erleichtern, müssen aber vor allen Dingen warten, bis er selbst wieder wohler ist, jetzt regt ihn Alles so sehr auf, u. müssen wir sehr vorsichtig zu Werke gehn. Ich hielt es, auf Ihre Nachrichten hin, für das Wichtigste, Ferdinand zu bestimmen, daß er in Schöneberg aushält, bis der Arzt ihn als genesen entläßt; es ist aber eine sehr traurige Sache u. in seinen Consequenzen gar nicht abzusehen.
Ich werde suchen, über gute Schulen für Knaben Näheres zu erfahren, u. muß eben, vor Allem, mit F. selbst berathen.
Denken Sie, liebe Freundin, daß ich seit dem Freitag der Abreise wieder mit einer Neuralgie im Arm behaftet bin, jedoch scheint sie sich nicht zu dem Grad steigern zu wollen wie vor’m Jahr, und geht es schon wieder besser, natürlich kann ich aber weder spielen noch schreiben. Der Gedanke an England ist dadurch wieder sehr bei uns in den Hintergrund getreten. In Düsseldorf hatten wir schöne Tage, nur leider viel zu kurz.
Wie es mit Berlin werden wird, weiß ich noch nicht, da hängt Vieles davon ab, wie es mit Ferdinand geht. Ich möchte wohl einmal an den Doktor dort schreiben, ich weiß nur nicht recht, ob man ihm eine Antwort zumuthen darf.
Diese Ärzte sind immer so sehr beschäftigt u. schwer zugänglich.

Den 9ten.
Es geht mir heute schon wieder etwas besser u. dies will ich Ihnen zum Beschluß dieser Zeilen doch noch sagen. Nehmen Sie nochmals innigsten Dank für Alles u. seien Sie mit ihrer lieben Freundin aufs herzlichste gegrüßt von
Ihrer alt ergebenen
Clara Schumann.

Julchen werden wir doch wohl behalten, es scheint uns zu wichtig für ihr späteres Fortkommen u. leider zu oftes Zuhausesein nicht günstig!

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Wendt, Mathilde (1688)
  Empfangsort:
  SBE: II.14, S. 118f.
 



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