19.12.2019

Briefe



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ID: 21667 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 31.12.1885
 

Frankf, den 31. Dez. 85.
Liebes Fräulein!
Herzlichsten Dank für Ihre und Ihrer Freundin lieben Wünsche und den duftenden Gruß, der vor mir auf dem Schreibtisch steht. Möchten auch meine wärmsten Wünsche für Sie beide in Erfüllung gehen. Sie sehen, daß ich immer wieder dictiere, etwas besser sind die Schmerzen, jedoch an Spielen vorläufig noch nicht zu denken. Ich muß meinen Wünschen heute sogleich wieder eine Bitte anfügen, und zwar besteht diese in einer Besorgung. Ich hatte meiner verheiratheten Tochter ein Dutzend Desertteller [sic] nach Probe einer Tasse in der Berliner Porzellanfabrik Leipzigerstraße 137, bestellt. Diese sind aber nicht gut ausgefallen, passen weder in der Farbe des Porzellan’s, noch in der Malerei zu der Tasse, und hat sich die Direction der Porzellan-Manufactur bereit erklärt, dieselben zurück zu nehmen. Da ich nun aber Angst habe, daß beim Auspacken durch Unvorsichtigkeit etwa ein Teller zerbrechen könnte, und ich nachher Alle behalten müßte, so möchte ich sie Ihnen schicken, Sie bitten, sie auszupacken und in einer Droschke selbst dort abzugeben. Ich habe geschrieben, eine Freundin von mir nähme sie mit nach Berlin und würde sie ihnen bringen – ich wollte die Herren nicht etwa beleidigen. Wir werden sie nach Neujahr abschicken. Sie erlauben mir, Ihnen per Briefmarke 1 M für Droschke beizulegen, denn dies ist eine Geschäftssache, und in solcher liebe ich keine Freundschaft.
Ich soll nun am 22. Januar hier spielen, ob es aber möglich sein wird[,] sehe ich noch nicht ab.
Sie wissen wohl nicht, daß trotz allen Bitten’s mein Sohn aus der Anstalt wieder nach Haus gegangen ist, er behauptete die Ärzte dort wüßten nur Morphium- und Nervenkranke zu curieren, für andere Krankheiten, wie sein Gelenkreumathismus [sic] seien die Anstalten dort ganz ungünstig, und er habe sich seine Krankheit dort erst recht wieder geholt. Er
liegt jetzt ganz zu Bett. Wir hatten ihm Julchen zu Weihnachten geschickt, und so hatte er doch eine Freude, die auf seinen Zustand günstig gewirkt zu haben scheint. Wäre er nur erst wieder auf, Sie können denken, welche Sorge dies für mich ist.
So grüße ich Sie denn nochmals Beide herzlichst und bitte Sie auch Ihrem Herrn Bruder in Karlsruhe meine wärmsten Wünsche zu übermitteln.
Ihre getreue
Clara Schumann.

NB. Sie brauchen bei Abgabe der Teller nichts zu sagen, da Alles abgemacht ist, sie einfach nur in meinem Auftrag abgeben.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Wendt, Mathilde (1688)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 14
Briefwechsel Clara Schumanns mit Mathilde Wendt und Malwine Jungius sowie Gustav Wendt / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2011
ISBN: 978-3-86846-025-4
121f.
 



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